Fachkräftemangel:Heil will ein Jahr bezahlte Bildungszeit für Arbeitnehmer

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Fachkräftemangel: Hubertus Heil von der SPD will den Fachkräftemangel mit neuen Gesetzen abmildern.

Hubertus Heil von der SPD will den Fachkräftemangel mit neuen Gesetzen abmildern.

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Beschäftigte sollen künftig eine längere Aus- oder Weiterbildung vom Jobcenter finanziert bekommen, kündigt der SPD-Arbeitsminister an. Außerdem plant er eine "Ausbildungsgarantie" für Schulabgänger.

Für Beschäftigte in Deutschland soll nach dem Willen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) künftig während ihrer Berufslaufbahn eine bezahlte Bildungszeit möglich sein. "Wir werden nach österreichischem Vorbild eine Bildungszeit in Deutschland ermöglichen", sagte Heil der Deutschen Presse-Agentur. Die Bildungszeit und andere Maßnahmen möchte der Minister mit einem Weiterbildungsgesetz einführen.

Das Gesetz solle in den kommenden Wochen im Bundeskabinett beschlossen werden und Beschäftigten angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland zusätzliche Chancen eröffnen, sagte Heil. In Österreich können Beschäftigte für maximal ein Jahr eine berufliche Auszeit für eine Aus- oder Weiterbildung nehmen - oder eine Bildungsteilzeit für bis zu zwei Jahre. Wer so eine "Bildungskarenz" nimmt, kann ein Weiterbildungsgeld bekommen. Auch in Deutschland sollten sich Beschäftigte künftig ein Jahr beruflich weiterbilden können, wenn sie und der Arbeitgeber sich dabei einig sind.

"Das lässt sich auch als Bildungsteilzeit in zwei Jahren organisieren", so Heil weiter. "Über Mittel der Bundesagentur für Arbeit wird dabei der Unterhalt sichergestellt, und zwar auf Höhe des Arbeitslosengeldes, also 60 Prozent für Alleinstehende, 67 Prozent mit Kind." Man schlage zwei Fliegen mit einer Klappe und unterstütze die Beschäftigten, sich weiterzuentwickeln, auch aufzusteigen. "Und man sichert die Fachkräftebasis, weil in vielen Branchen neue Qualifikationen gefragt sein werden."

Fahrtkosten für Praktika und Azubis sollen diese mobiler machen

Im Weiterbildungsgesetz wird laut Heil eine "Ausbildungsgarantie" enthalten sein. Jeder junge Mensch solle die Chance auf eine Ausbildung haben. "Dafür fördern wir etwa die Mobilität und Berufsorientierung von jungen Menschen." Denn regional gebe es große Unterschiede. "In Regionen mit Vollbeschäftigung finden Unternehmen teils keine Azubis. In strukturschwachen Regionen schreiben sich junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, die Finger wund." Helfen soll eine Mobilitätsunterstützung für Praktika. Fahrtkosten würden unterstützt, wenn jemand in eine andere Region pendeln muss.

"Derzeit verlassen rund 45 000 Schülerinnen und Schüler Jahr für Jahr die Schule ohne Abschluss", sagte Heil. "Und wir haben 1,3 Millionen Menschen zwischen 20 und 30 ohne berufliche Erstausbildung." Heute sähe man diese Menschen oft in den Jobcentern wieder. "Das werden wir ändern", kündigte Heil an. "Mit dem neuen Bürgergeld ermöglichen wir das Nachholen von Schul- und Berufsabschlüssen."

Das finanzielle Volumen des Weiterbildungsgesetzes soll laut Heil bei der Bundesagentur für Arbeit bis zum Jahr 2026 anwachsend jährlich etwa 771 Millionen Euro betragen. 190 Millionen Euro sollen aus dem Bundeshaushalt dazukommen. Demgegenüber stünden Beitrags- und Steuereinnahmen durch den Aufbau von Beschäftigung.

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