Hedgefonds-Manager Robert Mercer Der Mann, dem ein Stück Trump gehört

Der Milliardär und Hedgefonds-Manager Robert Mercer

(Foto: The Washington Post/Getty Images)
  • Der Hedgefonds-Manager Robert Mercer war der größte Privatspender von Donald Trump im Wahlkampf.
  • Der 70-Jährige gilt als brillanter Kopf, aber auch als Anhänger von Verschwörungstheorien. Er soll der Überzeugung sein, dass die Clintons politische Gegner ermorden ließen.
  • Die politische Agenda, die Mercer und seine Tochter Rebekah verfolgen, ist unklar.
  • Kritiker halten es für möglich, dass Mercer das politische System der USA zu Fall bringen will - und dass er nur deswegen Trump unterstützt hat.
Von Johanna Bruckner, New York

Als Donald Trump einige Wochen nach seiner Wahl zum US-Präsidenten eine Weihnachtsfeier besuchte, war das Motto der Party: "Heroes and Villains", also "Helden und Schurken". Trump trug bei der Veranstaltung im 1000-Einwohner-Ort Head of the Harbor im US-Bundesstaat New York einen dunklen Anzug und eine Krawatte mit schlichtem Muster. Auf die Frage der anwesenden Reporter, als was er gehe, sagte Trump: "Me." Der 70-Jährige dürfte sich mit dieser knappen Antwort nach eigenem Verständnis wohl in die Helden-Kategorie eingeordnet haben.

Robert Mercer, der die besagte Party auf seinem Anwesen "Owl's Nest" ausrichtete, könnte das anders sehen - obwohl er Trumps größter Geldgeber im Wahlkampf war. Es gibt Menschen, die glauben, dass Mercer den Immobilienmilliardär Trump gerade wegen seines Schurkenpotenzials ausgewählt hat. Die glauben, dass Mercer auf die Abschaffung der Regierung hinarbeitet. Und wer wäre besser geeignet, dem amerikanischen Volk vorzuführen, wie nutzlos der ganze Apparat in Washington ist, als ein Präsident wie Trump, der dort für Chaos sorgt?

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Robert Mercer ist wie Trump 70 Jahre alt und einer der Geschäftsführer von Renaissance Technologies. Dem Investmentmanagement-Unternehmen gehört mit dem "Medallion Fund" einer der profitabelsten - und am besten abgeschotteten - Hedgefonds des Landes. Mit welcher Methode dort Traum-Gewinnraten von im Schnitt 40 Prozent erreicht werden, ist ein streng gehütetes Firmengeheimnis. Bekannt ist "Medallion" als Hedgefonds der Mathe-Genies, weil viele der dort angestellten Finanzspezialisten aus den Naturwissenschaften kommen. Beteiligt sind ausschließlich Mitarbeiter von Renaissance Technologies, 135 Millionen US-Dollar soll Mercer 2015 verdient haben.

Mercer soll davon überzeugt sein, dass die Clintons Gegner ermorden ließen

Einen Gutteil seines Geldes lässt er seit einigen Jahren in die Politik fließen. Die Mercer Family Foundation unterstützt etablierte konservative Institutionen wie die Heritage Foundation, finanziert aber beispielsweise auch das jährliche Treffen einer Organisation namens "Doctors for Disaster Preparedness". Deren Vorsitzende, die Ärztin Jane Orient, hat der US-Regierung in einem Artikel vorgeworfen, mitschuldig am Terroranschlag von St. Bernardino 2015 zu sein. Und bei der Jahresversammlung der Ärztevereinigung im vergangenen Jahr trat ein pensionierter Herzchirurg auf, der argumentierte, dass der HI-Virus eine Erfindung der Regierung sei, um die Risiken eines homosexuellen Lebensstils zu verschleiern.

Robert Mercer hat selbst schon an solchen Treffen teilgenommen, er dürfte also sehr genau wissen, welches Gedankengut dort ausgetauscht wird. Nicht zuletzt soll sein Glaube an eine ganz bestimmte Verschwörungstheorie ein Grund dafür sein, dass Mercer zum Trump-Unterstützer wurde. Jane Mayer, Reporterin beim Magazin New Yorker, hat jüngst ein großes Porträt über den einflussreichen Parteispender geschrieben und mit mehreren Mercer nahestehenden Personen gesprochen, die ihr erzählten: Mercer glaube fest daran, dass die Clintons in kriminelle Machenschaften verwickelt seien, und - schlimmer noch -, politische Gegner ermorden ließen.

Gemeinsam mit seiner zweitältesten Tochter Rebekah hat Mercer in der Vergangenheit mindestens 32 Millionen US-Dollar ausgegeben, um konservative Kandidaten in politische Ämter zu bringen. Mit allein elf Millionen Dollar unterstützten die beiden den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz, bis dieser im Mai 2016 aus dem Rennen ausschied. Nur wenige Wochen darauf stellten sich Vater und Tochter mit ihrem ganzen finanziellen Gewicht hinter Trump.

Sie brachten nicht nur Geld mit, sie nahmen auch direkten Einfluss auf Trumps Wahlkampfpersonal. Die Mercers drängten darauf, dass Trump sein Team um zwei Namen erweiterte, die am Ende maßgeblich zu seinem Erfolg beitrugen: Steve Bannon und Kellyanne Conway. Außerdem stellten Vater und Tochter den Kontakt zum Datenspezialisten Cambridge Analytica her, in den sie fünf Million Dollar investiert hatten. Cambridge Analytica ist eine Tochterfirma des britischen Unternehmens Strategic Communication Laboratories, dessen Geschäftsführer seine Dienstleistung als psychologische Kriegsführung bezeichnet und damit wirbt, dass die Beeinflussung von Wählern nach den gleichen Prinzipien funktioniere, wie einen Teenager in Indonesien davon zu überzeugen, nicht al-Qaida beizutreten.

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Bei Salat und Sandwiches holte das Ehepaar Trump/Kushner die Mercers ins Boot

Zu einem Zeitpunkt, als viele andere Großspender den großmäuligen Immobilientycoon noch geringschätzten - sowohl auf persönlicher Ebene, als auch was seine politischen Chancen anging -, hatten die Mercers keine Berührungsängste. Der Washington Post zufolge soll die Allianz bei einem Mittagessen im Trump Tower angebahnt worden sein: Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner hatten Rebekah Mercer und deren Vertraute Kellyanne Conway eingeladen; es gab Salat und Sandwiches. Trump und Mercer, so heißt es, hätten Erfahrungen ausgetauscht - über Kindererziehung und darüber, wie es ist, Tochter eines fordernden, erfolgreichen Vaters zu sein.

Das mag zunächst nicht wie eine klassische, ideologische Grundlage für eine politische Beziehung klingen. Aber es stellte sich als krisensicheres Fundament heraus. Die Mercers veröffentlichten im Trump-Wahlkampf genau zwei Statements. In einem drückten sie ihre Enttäuschung darüber aus, dass ihr einstiger Protegé Cruz dem Kandidaten Trump seine Unterstützung verweigerte. Die zweite öffentliche Einlassung datiert kurz nach Bekanntwerden des "Grab em by the pussy"-Tapes. Darin heißt es: "Wenn Mr. Trump Billy Bush - wer auch immer das ist - (...) gesagt hätte, dass er für offene Grenzen ist, für freien Handel und für staatliche Eingriffe bei der Waffenkontrolle, hätten wir unsere Unterstützung für ihn sicherlich überdacht. Mr. Trumps Locker-Room-Angeberei ist uns dagegen vollkommen gleichgültig."