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Hebammen:Profis im Kreißsaal

Eine Akademisierung des Berufs ist mit Einschränkungen sinnvoll.

Deutschland ist das letzte Land in der Europäischen Union, das nun die Geburtshilfe zu einem akademischen Beruf machen will und - einer EU-Richtlinie zufolge - auch muss. Endlich. Endlich ist das Thema Hebammenmangel beim Gesundheitsminister angekommen. Der Beruf der Hebamme, ein Frauenberuf mit enorm hoher Verantwortung und schlechter Bezahlung, muss dringend aufgewertet werden, damit junge Menschen wieder bereit sind, in die Geburtshilfe zu gehen, und zwar mit der Gewissheit, von ihrer Arbeit im Kreißsaal auch eine Familie ernähren zu können.

Der akademische Abschluss muss sich nämlich, gerade bei den angestellten Hebammen, im Gehalt niederschlagen. Es ist aber auch gut, wenn Hebammen lernen, wissenschaftlich zu arbeiten; sie können dann in den Kliniken leichter den Mut finden, Unhinterfragtes zu hinterfragen - es wird den Gebärenden nützen.

Die Akademisierung sollte in Übergangsphasen geschehen, damit die jetzigen Hebammen keine Benachteiligung erfahren. Und eins sollte sie nicht bewirken: dass den Hebammen das Einfühlungsvermögen abgewöhnt wird, die Fähigkeit, sich vorbehaltlos in verschiedene soziale Milieus hineinzubegeben. Die Abiturnote darf nicht ausschlaggebend dafür sein, ob jemand Geburtshilfe studiert oder nicht.

© SZ vom 18.10.2018
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