Gesundheitspolitik Besuch beim Hausarzt soll belohnt werden

Wer bei Beschwerden zunächst zu seinem Hauarzt geht, soll mit einer Prämie belohnt werden.

(Foto: dpa)

Gesetzlich Versicherte sollen nach Plänen von Gesundheitsminister Spahn offenbar künftig Prämien erhalten, wenn sie immer zuerst zu ihrem Hausarzt gehen.

Ein Änderungsantrag zum Termin- und Servicestellengesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht vor, dass Patienten Prämien erhalten sollen, wenn sie sich immer zuerst von ihrem Hausarzt behandeln sollen. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Koalitionskreise. In Zuge so genannter Hausarztverträge können sich Patienten gegenüber ihrer Kasse verpflichten, für ein Jahr lang stets zum selben Hausarzt zu gehen und nur auf dessen Überweisung hin zum Facharzt. Außerdem soll einem Hausarzt die Vermittlung eines Facharzttermines entsprechend honoriert werden. Union und SPD wollen den Kassen laut dem Bericht nun vorschreiben, in solchen Fällen die Hälfte der dadurch erzielten "Effizienzgewinne" in Form von Prämien an die Mitglieder auszuschütten. So will die Koalition die Stellung von Hausärzten im Gesundheitssystem stärken.

Diese Art der Hausarztverträge ist nicht neu. Einige Krankenkassen bieten bereits seit Jahren ihren Mitgliedern derartige Modelle an, bei denen sie sich für zwölf Monate an ihren Hausarzt binden. Prämien gab es dafür keine, allerdings wurde den Versicherten zum Beispiel bei der AOK in Aussicht gestellt, dass sie bei fest vereinbarten Arztterminen nicht länger als eine halbe Stunde warten müssen. Bei Bedarf seien auch zusätzliche Sprechstunden, beispielsweise bis 20 Uhr oder in der Mittagspause, möglich.

Das Bundeskabinett hatte das Terminservice- und Versorgungsgesetz im September verabschiedet. In Kraft treten soll es voraussichtlich im Frühjahr 2019. Der Bundesrat muss nicht zustimmen. Bei Ärzten stieß der Gesundheitsminister mit seinem Entwurf auf massive Kritik. Der Gesetzentwurf sieht neben schnelleren Arztterminen vor, dass Praxisärzte mindestens 25 statt 20 Stunden für gesetzlich Versicherte anbieten sollen. Die bisher nach Ländern unterschiedlichen Telefon-Servicestellen für Termine sollen bundesweit zu Rund-um-die-Uhr-Angeboten ausgebaut werden. Ärzte sollen Zuschläge bekommen, wenn sie neue Patienten aufnehmen oder auf dem Land arbeiten. Die Zuzahlungen beim Zahnersatz sollen künftig niedriger ausfallen.

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