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Hauptstadt:Berliner Irrlichter

Die Vorwürfe gegen die USA wegen fehlender Masken waren voreilig.

Von Jan Heidtmann

Die US-Regierung schnappt Berlins Polizei 200 000 Atemschutzmasken weg - unter dem irrlichternden Präsidenten Donald Trump passte diese Meldung ziemlich gut. Vermutlich deshalb fühlten sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und sein Innensenator dazu ermuntert, den USA sogleich massive Vorwürfe zu machen. Doch peinlich ist der Vorgang nun vor allem für Berlin, als Irrlichter stehen der Bürgermeister und der Senator da.

"Unmenschlich und unakzeptabel", ein "Akt moderner Piraterie" - harscher als die beiden Berliner Politiker es getan haben, kann man ein anderes Land kaum kritisieren. Jetzt zeigt sich, dass sie auf sehr poröser Basis geurteilt haben. Möglicherweise ist beim Umladen der Masken in Bangkok nur etwas schiefgelaufen. Die Berliner Polizei ermittelt nun selbst, auch das Außenministerium ist eingeschaltet. Selbst wenn sich der Verdacht noch bestätigen sollte, die Schelte kam zu schnell.

Die Voreile ist um so ärgerlicher, da die Corona-Politik des Senats zuletzt gut lief. Die rot-rot-grüne Koalition hat über die nun gültigen Restriktionen konstruktiv gestritten, die Polizei setzt sie maßvoll durch, in keinem anderen Bundesland bekamen Selbständige so schnell ihre Unterstützung. Doch die haltlos gemachten Anschuldigungen sind das, was jetzt erst mal hängen bleibt.

© SZ vom 06.04.2020
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