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Hauen und Stechen bei den Piraten:Wer hält die Piraten zusammen?

Das hat auch mit deren problematischer Führungsstruktur zu tun, mit den ehrenamtlichen Vorständen und Mitarbeitern, die oben genannte Shitstorms in besonderer Weise abkriegen. Immer mehr aktive Piraten ziehen sich aus Überlastung von der Parteispitze zurück, wie zum Beispiel Schatzmeister Rene Brosig, der zuletzt in der Berliner Zeitung vehement auf eine Änderung der Strukturen pochte. Man kann es niemandem verdenken, wenn er sich dieser Belastung nicht mehr länger aussetzen will - unbezahlt und häufig genug in Vollzeit. Auch die populäre ehemalige politische Geschäftsführerin Marina Weisband hielt letztlich dem Druck nicht mehr stand und zog sich zurück. Das ist insofern dramatisch für die Partei, weil sie im Prinzip die einzige Figur war, auf die sich alle Piraten irgendwie einigen konnten.

Die Piraten - ein guter Ersatz für Seifenopern

Die Piraten - ein guter Ersatz für Seifenopern

(Foto: dpa)

Seit dem Abgang von Weisband ist nun niemand in Sicht, der die Partei zusammenhält. Piratenchef Bernd Schlömer hat mit der Doppelbelastung Beruf-Ehrenamt besonders zu kämpfen. Er arbeitet als Regierungsdirektor im Verteidigungsministerium und darf offiziell während seiner Arbeitszeit in Sachen Piraten weder mailen noch twittern. Das ist in einer Partei, in der die meisten Mitglieder rund um die Uhr online unterwegs sind und diskutieren, ein enormes Problem. Sein Stellvertreter Sebastian Nerz taugt auch nicht zur Einheitsfigur. Er kommt mit einflussreichen Berliner Piraten nicht gut klar.

Geschäftsführer Johannes Ponader hingegen steht als Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und selbsternannter Gesellschaftskünstler für einen Linksruck in der Partei, der typisch für den Berliner Landesverband ist, der jedoch weniger für die eher konservativen Verbände im Süden Deutschlands steht. Beisitzerin Julia Schramm zählt zwar zu den bekanntesten Vorständen - doch innerhalb der Partei ist sie umstritten, da längst nicht alle mit ihren zuweilen krassen Thesen einverstanden sind und sie zudem als machthungrig gilt. Und so könnte man die Liste ewig fortsetzen.

Die Piraten laufen gerade Gefahr, dass im politischen Alltag jener besondere Geist verschüttet wird, der jede Partei erst wählbar macht. Nach ihrem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus verstanden sie es, sich als Vertreter der digitalen Avantgarde zu präsentieren, als frische, unverbrauchte Kraft, als diejenigen, die die Prinzipien der vernetzten Welt auf die so träge wirkende deutsche Parteienlandschaft übertrugen und das politische System der Bundesrepublik gewaltig durcheinander wirbelten. Dafür liefen ihnen die Wähler in Scharen zu. Nach wie vor gibt es dort Menschen, die versuchen, jene ureigenen Ziele der Piraten in die Tat umzusetzen - zum Beispiel mit den Runden Tischen zum Thema Urheberrecht, die gestern in Berlin begannen.

Doch auch löbliche Initiativen wie diese können den Eindruck nicht verhindern, dass die Partei an sich im Chaos versinkt - denn hängen bleibt im Zweifelsfall doch eher der Lan-Kabel-Skandal als die Diskussionsrunde. Das mag ungerecht sein gegenüber jenen, die sich um ernsthafte Politik bemühen. Doch so ist nun einmal die Realität.

© Süddeutsche.de/lala
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