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Hannover:Safia S. sagt, sie habe sich von den Polizisten provoziert gefühlt

Safia S. sitzt inzwischen in Untersuchungshaft und hat sich mehrmals vernehmen lassen. Oft brüsten sich religiöse Fanatiker im Nachhinein mit ihrer Tat. Safia S. tut es nicht, sie habe sich durch die Polizisten "provoziert" gefühlt, sagt sie. Auch habe sie die Beamten nicht verfolgt, sondern ihren Rucksack gesucht, der ihr kurz zuvor abhanden gekommen sei. Andererseits sprach sie auch davon, dass sie mit der "IS-Regierung" in Verbindung stehe.

Inzwischen hat sie dem verletzten Beamten nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR einen Brief aus der Haft geschrieben, der sofort beschlagnahmt wurde; er gilt als Geständnis und damit als Beweismittel. Es tue ihr leid, heißt es darin, sie wünsche sich, das Geschehene ungeschehen machen zu können und hoffe, dass er ihr die Tat eines Tages vergeben könne.

In der vergangenen Woche wies die Verteidigung der Schülerin darauf hin, dass es bisher keine Belege für eine terroristisch motivierte Tat oder eine Verbindung zum IS gebe. Die "öffentliche Vorverurteilung" habe ein Ausmaß erreicht, "welches die Durchführung eines rechtsstaatlichen Verfahrens gefährdet".

Die Sorge vor weiteren Taten ist nun bei Polizisten groß

In Hannover ist eine teilweise bizarre politische Debatte ausgebrochen: Warum Verfassungsschutz und Polizei das Mädchen nicht schon beobachtet hätten, als sie als Siebenjährige den Koran zitierte. Oder warum sie nicht zumindest nach ihrer Rückkehr aus Istanbul lückenlos überwacht wurde. Inzwischen haben Polizeibehörden überall im Land ihre Beamten über den Fall unterrichtet, der sogenannte Eigenschutz spielt nun eine besondere Rolle. Bis zu der Attacke in Hannover habe kein Beamter daran gedacht, dass man um sein Leben fürchten muss, wenn man ein 15-jähriges Mädchen kontrolliert. Nun ist die Sorge vor weiteren Taten dieser Art groß.

Die Ermittlungsgruppe "Bahnhof" muss nun herausfinden, was Safia S., die auf ihrer Facebook-Seite für Allah schwärmt, aber auch für Justin Bieber und Leonardo DiCaprio, zur Tat bewogen hat. Die britische Polizei wies darauf hin, dass der IS auch gezielt Menschen mit psychischen Erkrankungen anwerbe. Vom Ausgang der Ermittlungen wird abhängen, ob die Tat der Schülerin als der zweite erfolgreiche islamistische Terroranschlag in Deutschland eingestuft wird.

Für viele in den Sicherheitsbehörden ist er das schon, ein neuer Fall Arid Uka, der vor fünf Jahren am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss und zwei weitere verletzte. Jahre vorher war er wegen eines Projekts zur Gewaltprävention mit seiner Klasse im Kanzleramt, ein Foto zeigt ihn direkt neben Gerhard Schröder.

© SZ vom 15.03.2016/dayk

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