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Hannelore Kraft in USA und Kanada:Drei Jahre ohne große Pannen

Die Geschichte über Hanni aus der Provinz, die ihre Ferien stets im Sauerland verbringt, dort jedes Jahr ihr Sportabzeichen macht, ist nicht falsch und sie hat ihr auch ganz gut gefallen, in Zeiten des Wahlkampfes. Kraft ist aber mehr herumgekommen als so manch anderer, mit dem Rucksack, nicht mit einer Delegation, sie hat in London studiert, ist nach Sri Lanka gefahren, nach Afrika. Viele andere aus der Politik konnten nie weg in ihren jungen Jahren, weil dann immer sofort ein anderer da gewesen ist, der ihnen den Platz im Kreisvorstand der Jungen Union weggenommen hätte oder bei den Jusos.

Die Ochsentour, sie hat sie übersprungen, hat nur 16 Jahre gebraucht vom Eintritt in die Partei bis zur Ministerpräsidentin. Sie mache Politik, um die Welt zu verändern, sagt Kraft, wenn man sie nach dem Warum fragt. Die Welt ist nicht überall eine bessere geworden in Nordrhein-Westfalen, die Schulden sind gestiegen, und die Löcher in den Straßen gewachsen. Aber die Leute haben offenbar das Gefühl, dass da jemand ist, der manches versucht.

Motzen und mosern

Die Welt verändern, sich selbst aber nicht zu stark, und dies beides durch das Amt, das manche kleiner macht, und die anderen wachsen lässt. Drei Jahre ohne große Pannen, eine Zeit, in der sie gemerkt hat, dass sie das kann, ein Land führen, oder so zu tun als ob, weil man ja oft erstaunlich wenig tun kann, gegen den Lauf der Zeit. Was geblieben ist: die Tagesform, die Launen. Sie motzt und mosert manchmal, wenn Journalisten die falschen Fragen stellen, dreht sich um und geht.

In Duisburg stehen vor der Tür die Beamten, die seit Wochen gegen eine Nullrunde protestieren, die sie am heiligen Maifeiertag ausgepfiffen hatten. Krafts Mundwinkel hängen tief an diesem Tag, nur Merkel kann sie noch weiter runterlassen. Am Anfang hat sie noch mit den Protestlern gesprochen, jetzt sagt sie: Sind doch immer dieselben Gesichter.

Ihr Gesicht haben die Menschen hier auch nach drei Jahren noch nicht über. Das ist schon eine ganze Menge.