Hannelore Kraft in USA und Kanada Eine Königin in der Provinz, eine kleine Nummer in Berlin

Drei Jahre ist Kraft nun Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Für manche, vor allem die lieben Parteifreunde im fernen Berlin, ist sie immer noch die Landesmutter. Das ist nicht nur freundlich gemeint, es schwingt da auch immer mit, dass Kraft in ihrer Provinz vielleicht eine Königin ist, in der Hauptstadt aber nur eine kleine Nummer. Die Leute, die das so sehen, sind immer weniger geworden mit der Zeit. Weil Kraft in den Umfragen vorne liegt, weil sie für die SPD Wahlen gewinnt. Das schaffen nicht viele Sozialdemokraten. Das sind die besseren Argumente.

Sie hat viele hinter sich gelassen, die in den Medien als die klügeren Köpfe galten, als große Talente, die dann aber am Wähler scheiterten. Norbert Röttgen war so einer, und Peer Steinbrück könnte der Nächste werden, der im Vergleich mit Kraft schlecht aussieht.

Arme vor die Brust

Es ist ein Dienstag im Steinhof in Duisburg, "Zukunftsforum" heißt die SPD-Veranstaltung mit dem Kanzlerkandidaten, und es gibt kaum eine Gegend in Deutschland, in der die Zukunft so unterschiedlich aussehen wird wie hier, in der die sozialen Kontraste so groß sind. Mit der U-Bahn kann man von Düsseldorf, wo Steinbrück seinen Wahlkreis hat, nach Duisburg fahren, von einer reichen Stadt in eine ziemlich arme. Hier wird an diesem Abend über die Zukunft diskutiert, darüber, was das Revier und das Land brauchen. Es kommt zu wenig überraschenden Ergebnissen: neue Straßen, bessere Infrastruktur. Dafür plädiert Steinbrück, der als Landesverkehrsminister und Regierungschef einst die Chance hatte, genau dafür zu sorgen.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft besucht Kanada und USA HANDOUT - Der Chefredakteur der Bildzeitung, Kai Diekmann (r), begrüßt die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (l) am 30.05.2013 in San Francisco zu einem Medienlunch. Foto: Staatskanzlei/Roberto Pfeil/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Steinbrück versucht, eine unterhaltsame Rede zu halten, die Menschen im Saal halten ihre Arme vor der Brust verschränkt. Er macht ein paar Witzchen, die Leute trinken einen Schluck Sprudel. Steinbrück fängt an, sich zu rechtfertigen: "Ich dachte, es ist offensichtlich, was ich da gesagt habe." Es ist ein Kanzlerkandidat zu besichtigen, dem die Lockerheit abhandengekommen ist, die Selbstsicherheit. Dann kommt Hannelore Kraft auf die Bühne und sagt: "Ich begrüße alle, die schon begrüßt worden sind." Das ist nicht viel, aber es reicht, um den Menschen gute Laune zu machen. Hinterher steht man an den Tischen zusammen bei einer Cola, die alte Frage wird diskutiert: Ob sie es nicht besser könnte, die Kanzlerkandidatur.

Kraft braucht man diese Frage gar nicht zu stellen auf ihrer Amerikareise. Sie kommt von selbst darauf zu sprechen, es ist ein ständiges Hintergrundrauschen.

Nah am Mann

Sie erzählt davon, wie viele Einschränkungen die Familie jetzt schon ertragen müsse, vom Sohn, der zum Studium auch ein wenig geflüchtet ist nach Kanada; davon, dass sie Merkel nicht um ihren Job beneide, die ganzen G-8- und G-20-Runden. Da drehen zwei ihre Runden in diesen Tagen: Kraft, die erklärt, warum sie nicht will, und Steinbrück, der so sehr will, aber nicht erklären kann, warum er es auch werden sollte.

Der ehemalige Ministerpräsident und Bundesfinanzminister hat sich lange außerhalb des Betriebs gestellt, hat so getan, als wäre er kein richtiger Politiker, sondern ein früher Helmut Schmidt, der alles mit großer Weisheit von außen betrachtet. Kraft kam erst spät in die Politik, mit 33, steht aber immer mittendrin, nah am Mann, würde man im Fußball sagen.