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Hannelore Kraft:Rasches und bitteres Ende einer Karriere

Sie gratuliert dem Wahlsieger und wünscht Armin Laschet "eine gute Hand". Sie bedankt sich bei Wählern und Wahlkämpfern. Gleich zweimal sagt sie den Satz: "Es hat nicht gereicht." Dann folgt die Aussage, die eine sozialdemokratische Ära im Land beendet: Für "die Entscheidungen, die getroffen worden sind, dafür übernehme ich persönlich die Verantwortung", sagt sie, und weiter: "Deshalb werde ich mit sofortiger Wirkung von meinem Amt als Landesvorsitzende der SPD und als stellvertretende Bundesvorsitzende zurücktreten, damit die NRW-SPD eine Chance auf einen Neuanfang hat." Im Saal ist ein kurzes "Oh" zu hören.

Sie habe ihr "Bestes gegeben", bilanziert Kraft noch kurz, und sie sei "fest davon überzeugt, wir haben in den letzten sieben Jahren das Land Schritt für Schritt nach vorne gebracht". Nur: Das habe man den Wählern eben nicht vermitteln können. Dann tut sie ihrer Partei noch einen letzten Dienst: Es sei in dieser Wahl um landespolitische Themen gegangen, sie selbst habe die Bundespartei darum gebeten, sich mit bundespolitischen Themen zurückzuhalten, versichert sie. Es ist ein ebenso anständiger wie wohl vergeblicher Versuch, den Totalschaden für Schulz und die Bundespartei noch zu minimieren. "Glückauf", verabschiedet sie sich mit dem Ruhrpott-Gruß. Dann tritt sie ab. Nicht einmal zwei Minuten hat ihre Rede gedauert.

Es ist das rasche und bittere Ende einer Karriere, an deren Höhepunkt der heute 55-Jährigen aus Mülheim an der Ruhr sogar zugetraut wurde, für die SPD das Kanzleramt zu erobern. "Nie, nie" werde sie nach Berlin gehen, lehnte sie solche Avancen ab, nachdem sie vor fünf Jahren in einem fulminanten Wahlkampf nach zwei Jahren wackeliger Minderheitsregierung Rot-Grün eine satte Mehrheit verschafft hatte.

Der Punkt, an dem sie das Vertrauen vieler Wähler verlor, hat ein Datum: Es war die Silvesternacht 2015/16, bei der Hunderte Frauen begrapscht und bestohlen wurden. Tagelang meldete sie sich nicht zu Wort, beließ auch ihren Innenminister und politischen Vertrauten Ralf Jäger im Amt - zur Freude der CDU-Strategen, die Krafts harten Hund als weiche Flanke der Landesregierung entdeckten.

Kraft will nun "eine gute Abgeordnete" ihres Wahlkreises bleiben. Doch wer folgt ihr an der Spitze? Noch am Abend meldet sich Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski zu Wort: "Haben wir die richtigen Antworten gegeben?", fragt er: "Nein." Als Kraft im Tageslicht des Eingangs verschwindet, bleiben ihre Parteifreunde im Dunkeln des Saals zurück.

© SZ vom 15.05.2017/fued
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