Hanau Ehemaliger SS-Mann kurz vor Prozess gestorben

  • Unmittelbar vor Prozessbeginn in Hanau ist ein ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz gestorben.
  • Dem 93-Jährigen wurde Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Ein vor dem Landgericht Hanau angeklagter ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Auschwitz ist wenige Tage vor Prozessbeginn im Alter von 93 Jahren gestorben. Das teilte das Gericht mit. Der Prozessauftakt war für den kommenden Mittwoch geplant.

Dem Mann wurde Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Er soll in der Zeit vom 1. November 1942 bis zum 25. Juni 1943 als Mitglied des SS-Totenkopfsturmbanns des Konzentrationslagers Wachdienst verrichtet haben. In diesem Zeitraum soll er an der organisatorischen Abwicklung von drei Transporten mit Deportierten mitgewirkt haben. Von ihnen sollen mindestens 1075 Personen unmittelbar nach der Ankunft in den Gaskammern getötet worden sein.

Der Mann, der sich nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte, war einer von 14 Verdächtigen, deren Wohnungen im Februar 2014 bei einer bundesweiten Aktion durchsucht worden waren. Das Gericht hatte erst im Dezember seine Verhandlungsfährigkeit festgestellt. Weil er zum Zeitpunkt seiner Tätigkeit in Auschwitz erst 19 Jahre alt war, sollte die Verhandlung vor einer Jugendkammer stattfinden. Mehrere Angehörige der im KZ Ermordeten waren in dem Verfahren als Nebenkläger zugelassen gewesen.

In Folge des Prozesses gegen John Demjanjuk vor fünf Jahren ist in Deutschland eine ganze Reihe von Verfahren gegen ehemalige Helfer des NS-Regimes eingeleitet worden. Vergangenes Jahr wurde der ehemalige SS-Mann Oskar Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt. In Detmold läuft seit Anfang des Jahres der Prozess gegen den früheren SS-Wachmann Reinhold Hanning.

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