Hamburger Senat Tellerwäscher, Container-König, Senator

Die 71 Lebensjahre des Ian Kiru Karan waren bewegt: Der Einwanderer aus Sri Lanka arbeitete sich von ganz unten nach ganz oben - jetzt wird der einstige Bewunderer von Ronald Schill wohl selbst Senator.

Von Ralf Wiegand

Seitdem Christian Wulff Bundespräsident geworden ist, obwohl er, wie der SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte, "kein Leben" vorzuweisen habe, sondern nur eine Karriere, scheint sich das Anforderungsprofil für Politiker geändert zu haben. So ein Leben, eine möglichst gebrochene Biographie, Spuren, die man in der Gesellschaft hinterlassen hat - das erhöht offenbar nun die Glaubwürdigkeit von Anwärtern auf politische Ämter.

Gruppenbild mit Damen: Der Unternehmer und Wirstchaftssenator in spe, Ian Karan, mit Ehefrau Barbara und Tochter Jessica.

(Foto: dpa)

Auf jeden Fall macht das interessant. So gesehen sollte Ian Kiru Karan noch eine phantastische Laufbahn bevorstehen, auch wenn er bei seiner Vereidigung als Hamburger Regierungsmitglied am nächsten Mittwoch schon 71 Jahre alt sein wird. Das Leben des designierten Wirtschaftssenators ist bis zum heutigen Tag jedenfalls eine einzige Wundertüte.

Der Höhepunkt eines filmreifen Lebens

Karan hat bestätigt, dass er die Wirtschaftsbehörde übernehmen soll, falls Christoph Ahlhaus (CDU) am 25. August zum Ersten Bürgermeister der Hansestadt und damit zum Nachfolger des scheidenden Regierungschefs Ole von Beust gewählt werden sollte. Das Amt eines Senators, trotz der jüngsten Turbulenzen im Stadtstaat, ist immer noch eine ehrenvolle Position, gerade für einen Seiteneinsteiger wie Karan. "Diese große Ehre wird nicht jedem zuteil", sagte der Unternehmer über seinen möglichen Einzug ins Rathaus. Es wäre der Höhepunkt eines filmreifen Lebens.

Erst im vergangenen Dezember hat Karan, der seit mittlerweile 40 Jahren in der Hansestadt lebt, die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Er sei nun mit Sicherheit "der glücklichste Deutsche", sagte er beim Festakt im Rathaus und nahm die Urkunde aus den Händen seines Duzfreundes Ole von Beust entgegen. Die Hamburger Politik schätzt den im damaligen Ceylon geborenen Karan schon lange als Gönner und Förderer.

Vom Tellerwäscher zum Container-König

Der Selfmade-Unternehmer spendet jährlich mehrere Millionen Euro für unterschiedliche Zwecke und fördert auch politische Karrieren. Karan gehörte zu den Bewunderern des Rechtspopulisten Ronald Schill; das Hamburger Abendblatt nannte die beiden sogar "Freunde" und zitierte Karan, er habe einen "tollen Menschen" unterstützt. Bei allen Fehltritten Schills sei dessen rigoroses Vorgehen gegen kriminelle Ausländer "mutig" gewesen.

Von der Leidenschaft für Schill ist in der aktuellen Berichterstattung über Ian Kiru Karan in den Hamburger Springer-Blättern nichts zu finden, es zählt allein der märchenhafte Aufstieg vom Tellerwäscher zum Senator. Karan verliert früh beide Eltern, kommt mit 16 Jahren über ein Sportstipendium nach England und 1970 schließlich nach Hamburg. Hier wäscht er in einem Restaurant zunächst tatsächlich Geschirr ab, arbeitet sich rasch hoch und gründet mit anfangs mäßigem Erfolg mehrere Firmen in der Logistik-Branche.

Mit "Capital Lease", einer Firma, die Schiffscontainer verleiht, schafft er den Durchbruch. Mehr als eine halbe Million dieser Metallkisten schippern über die Weltmeere, als Karan das Unternehmen 2007 verkauft. Ihm blieben ein dreistelliger Millionenbetrag, der Ehrentitel "Container-König", ein Platz im HSV-Aufsichtsrat und das Bundesverdienstkreuz. Und nun noch Senator: was für ein Leben.