bedeckt München 27°

Hamburger Senat:Biografie mit Fantasie

Der Lebenslauf von Hamburgs designiertem Wirtschaftssenator Ian Karan liest sich wie ein spannender Roman. Das einzige Problem daran: Nicht alles darin ist wahr, wie Karan drei Tage vor seiner Wahl bekennt.

Seine Biografie las sich wie wie ein spannender Roman - Ian Karan, designierter Hamburger Wirtschaftssenator, brachte es in seinem Leben vom Tellerwäscher zum Containerkönig, vom Waisenkind in höchste politische Sphären. Jetzt hat der parteilose Karan seiner illustren Geschichte ein weiteres pikantes Detail hinzugefügt, das manchen Schwank aus seinem Lebens allerdings relativiert: Karan bekannte in einem Interview, in der Vergangenheit seine Biographie mit großer Fantasie ausgeschmückt zu haben.

Karan soll Wirtschaftssenator in Hamburg werden

Designierter Senator mit großer Phantasie: Ian Karan, der am Mittwoch in Hamburg das Wirtschaftsressort übertragen bekommen soll.

(Foto: dpa)

Wenige Tage vor der Wahl der neuen Hamburger Regierung in der Bürgerschaft am Mittwoch korrigierte der 71-Jährige in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die frühere Darstellung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn dazu aufgefordert habe, deutscher Staatsbürger zu werden. "Das ist falsch. Merkel hat mich niemals dazu aufgefordert", sagte Karan. Er habe in der Vergangenheit zuviel mit den Medien kokettiert. Das bereue er.

Ein weiteres Kapitel seiner Vita ist die Unterstützung des Rechtspopulisten und früheren Hamburger Innensenators Ronald Schill. Sie war größer als bisher bekannt. Karan räumt jetzt ein, der Schill- Partei sowie ihrem Nachfolger "Partei Rechtsstaatliche Offensive" bis 2004 insgesamt 44 500 Euro gespendet zu haben. Der CDU, die er als seine politische Heimat betrachtet, soll Karan über die Jahre hinweg 570 000 Euro gespendet haben. Noch im Januar 2009 soll Karan nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts gesagt haben: "Es war ein großer Fehler, die Schill-Partei unterstützt zu haben."

Wegen Fehlzeiten geflogen - und nicht wegen Vietnam-Protesten

Jetzt begründete der in Sri Lanka geborene 71-Jährige seine Spenden an die Partei des Rechtspopulisten so: "Wenn Ausländer in Deutschland Straftaten begehen, haben Sie es als Dunkelhäutiger schwer, auch wenn Sie gesetzestreu sind." Er habe sich vom Vorgehen Schills gegen kriminelle Ausländer eine stärkere Akzeptanz in der Hamburger Gesellschaft versprochen.

Auch die sonst so schillernd dargestellte Legende des beruflichen Aufstiegs des Hamburger Multimillionärs bedarf einiger Korrekturen: Früher ließ er verlauten, er habe den Studienabschluss an der London School of Economics nicht bekommen, weil er gegen den Vietnamkrieg protestiert habe. In Wirklichkeit waren aber seine Fehlzeiten der Grund gewesen. Das räumt Karan jetzt ein. Später, nach der Gründung seiner Containerverleihfirma in der Hansestadt, musste Karan einige geschäftliche Rückschläge einstecken. Seine Firmen hätten schon drei Mal kurz vor dem finanziellen Abgrund gestanden, sagte er.

Die Mehrheitsparteien im Hamburger Senat halten jedoch an ihrem designierten Wirtschaftsminister fest. Senatssprecherin Kristin Breuer sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir sind weiterhin überzeugt, dass Herr Karan ein ausgezeichneter Wirtschaftsminister für Hamburg sein wird." Dass Karan in sein neues Amt viel Kreativivtät und viel Fantasie mitbringen wird, dessen kann sich der Senat zumindest sicher sein.

© dpa/mob/kar

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite