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Hamburg:Von Beust droht mit Rücktritt: "Ich bin nicht Heide Simonis"

Warum sich heute Nachmittag die politische Zukunft von Hamburgs Bürgermeister entscheidet.

Oliver Das Gupta

Eigentlich könnte sich Ole von Beust entspannen: Seine Partei regiert Hamburg seit 2004 mit absoluter Mehrheit, seine Popularitätswerte sind hoch, und auch der Wirbel um die so genannte Protokoll-Affäre schien mit dem Rausschmiss seines renitenten Justizsenators beendet zu sein.

Spielt "Alles oder nichts": Ole von Beust am 27. März

(Foto: Foto: dpa)

Von Beust hätte also Grund, sich zurückzulehnen. Doch die vergangenen Wochen scheinen das Nervenkostüm des hanseatischen Landesvaters merklich angegriffen zu haben.

Der Bürgermeister schlug seinen Parteifreund und bisherigen Justizstaatsrat Carsten-Ludwig Lüdemann für den vakanten Posten des Justizsenators vor und erklärte dem Hamburger Abendblatt zufolge: "Wenn Herr Lüdemann nicht im ersten oder zweiten Wahlgang gewählt wird, war es das für mich."

Also griff der Bürgermeister zur Brechstange

Woher von Beusts Nervosität kommt, liegt auf der Hand: Nachdem er die CDU zu einem Erdrutschsieg bei der letzten Bürgerschaftswahl geführt hatte, zeigten ihm einige Parteifreunde die Grenzen ihrer Loyalität - sie versagten ihm bei der Bürgermeisterwahl die Stimme.

Heute Nachmittag entscheidet der Hamburger Senat also nicht nur über den neuen Justizsenator, sondern auch über Ole von Beusts politische Zukunft.

Seine Zweifel an der Loyalität seiner Leute dürften erheblich gewachsen sein, als im benachbarten Schleswig-Holstein Heide Simonis demontiert wurde: Durch vier Wahlgänge fiel Deutschlands einzige Landesmutter, weil offenbar einer ihrer SPD-Parteifreunde ihr nicht seine Stimme gab.

Wie in Kiel ist die Hamburger Wahl geheim und von Beust weiß: Unzufriedene könnten ihre Chance wittern - und ihm eine empfindliche Niederlage zufügen.

Also griff der Bürgermeister zur Brechstange und spielt "Alles oder nichts" nach dem Motto: Wenn ihr mich ärgert, schmeiße ich hin - und der CDU-Senat ist gesprengt.

"Ich bin nicht Heide Simonis", soll von Beust den 63 Hamburger CDU-Abgeordneten in der Fraktionssitzung unverblümt eingebläut haben.

Dass etwas schief geht, will bei den Christdemokraten keiner glauben. Die Fraktion erklärte, sie stehe "vollständig hinter Lüdemann". Sie hätten auch von Beust schreiben können.

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