Hamburg:Gegen Impfpflicht: Mehr als 11.000 demonstrieren in Hamburg

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Eine Ärztin impft einen Mann gegen Corona. (Foto: Lennart Preiss/dpa/Symbolbild)

Mehr als 11.000 Menschen haben am Samstag in Hamburg gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Nach Angaben der Polizei zogen 11.500 Demonstranten in mehreren...

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Hamburg (dpa/lno) - Mehr als 11.000 Menschen haben am Samstag in Hamburg gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Nach Angaben der Polizei zogen 11.500 Demonstranten in mehreren Blöcken durch die Innenstadt. Die Veranstalter sprachen von 15.000. Es waren mehr als 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu der Demonstration unter dem Motto „Das Maß ist voll. Hände weg von unseren Kindern“ erwartet worden. Auf vielen Transparenten und selbstgebastelten Plakaten hieß es „Nein zur Impfpflicht“ oder „Impfdiktatur beenden“. Die Veranstalter riefen die Teilnehmer immer wieder auf, friedlich zu bleiben und Masken aufzusetzen.

Seit Freitag gilt in Hamburg eine Verordnung, nach der bei Demonstrationen Masken getragen werden müssen. Die Versammlungsteilnehmer hätten sich ganz überwiegend an die Auflagen gehalten, erklärte ein Polizeisprecher. Wer ohne Maske teilnahm, wurde angesprochen und im Fall eines Verstoßes von der Demonstration ausgeschlossen. Es seien mehrere Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet worden, hieß es.

Jusos, die Grüne Jugend und Gruppen aus der linken Szene hatten zu mehreren Gegenkundgebungen aufgerufen. Laut Polizei kamen zu diesen Versammlungen deutlich weniger als die von den Veranstaltern erwarteten knapp 1000 Menschen. Eine Gegenkundgebung wurde sogar abgesagt. Die Polizei war insgesamt mit knapp 800 Beamten im Einsatz.

Beim Auftakt der großen Demonstration wurden Sprechchöre von Gegendemonstranten laut, die „Nazis raus!“ riefen. Ein Sprecher der Impfgegner ermahnte seine Mitstreiter: „Lasst euch nicht provozieren!“ Nach Angaben der Polizei kam es nahe der Binnenalster zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Mehrere Personen hätten von außen Teilnehmer der Demonstration attackiert. Es soll auch einen Flaschenwurf gegeben haben. Bei ihrer Flucht hätten die 15 bis 20 Störer eine unbeteiligte Frau umgerannt und verletzt.

Im Laufe der Demonstration nahm die Polizei zwei Menschen fest und zwei weitere in Gewahrsam. Außerdem wurden sieben Platzverweise erteilt. Gegen wen sich die Maßnahmen richteten, wurde nicht mitgeteilt.

Auf einer Zwischenkundgebung nahe dem Weihnachtsmarkt am Jungfernstieg warf ein Redner dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor, die Ungeimpften beleidigt zu haben, indem er von einer „Pandemie der Ungeimpften“ gesprochen habe. „Das ist Spaltung, das ist Hetze! Und dagegen stehen wir auf!“, rief er begleitet von Jubel und Applaus der Teilnehmer.

Mehrfach wurde der Ruf laut: „Wir sind die rote Linie!“ Damit bezogen sich die Demonstranten auf die erste Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz, in der der SPD-Politiker gesagt hatte, für die Eindämmung der Pandemie gebe es „keine rote Linien“. Immer wieder kritisierten Redner Medien und sprachen von „sogenannten Journalisten“. „Glotze aus - Hirn an - striktes Nein zur Impfpflicht“ - lautete die Parole auf einem Transparent ganz an der Spitze des Zuges.

„Ich habe einfach Angst um unser Grundgesetz und unsere Demokratie, wenn nur noch geimpfte Menschen am öffentlichen Leben teilnehmen dürfen“, sagte eine kaufmännische Angestellte. Die Corona-Pandemie sei allerdings ein Problem. Sie sei selbst schon erkrankt, aber zum Glück nicht schwer, sagte die Mittvierzigerin.

Eine Erzieherin aus Schleswig-Holstein erklärte, sie fürchte, ihren Job zu verlieren, weil sie sich nicht impfen lassen wolle. „Ich möchte, dass jeder für sich entscheidet“, sagte die 49-Jährige. Sie fügte hinzu: „Ich bin genesen, ich habe Immunschutz.“ Vier andere Frauen zeigten ein Transparent mit der Aufschrift: „Impfpflicht? Nein danke + Pflege steh auf! Lieber gefeuert als geimpft!“

Eine Gruppe von Demonstranten trug polnische Flaggen und eine Fahne mit dem Schriftzug der Gewerkschaft „Solidarnosc“. Er sei in Polen geboren und wolle seine Herkunft zeigen, sagte ein Mann Mitte 30. „Die Deutschen haben keine Eier“, meinte er.

Viele Teilnehmer hatten sich Lichterketten umgehängt. Nur wenige Sprechchöre waren zu hören. Einige Impflichtgegner skandierten: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Freiheit klaut.“ Die Demonstranten seien zum deutlich überwiegenden Teil aus dem bürgerlichen Spektrum gekommen, erklärte die Polizei.

Bereits an den vorangegangenen Adventssamstagen waren jeweils mehrere Tausend Impfpflichtgegner in Hamburg auf die Straße gegangen. Vor drei Monaten, kurz vor der Bundestagswahl, hatte Hamburg eine noch deutlich größere Demonstration erlebt. Einem Aufruf von „Fridays for Future“ waren am 24. September nach Angaben der Polizei gut 26.000 Menschen gefolgt, nach Angaben der Veranstalter waren es sogar 80.000.

© dpa-infocom, dpa:211218-99-433566/7

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