Süddeutsche Zeitung

Reaktionen auf Angriff in Halle:Merkel besucht Synagoge in Berlin

Nach den tödlichen Schüssen in Halle an der Saale äußern sich Politiker bestürzt. Die Kanzlerin ist zu Gast bei einer Solidaritätsveranstaltung. Reaktionen im Überblick.

In Halle an der Saale sind nahe der Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Erste Reaktionen im Überblick:

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm am Mittwochabend an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teil. Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel besuchte die Veranstaltung.
  • Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von "schrecklichen Nachrichten". Es sei "entsetzlich", dass es Tote gegeben habe. Die Gedanken der Bundesregierung gingen an Freunde und Familie.
  • Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Rainer Haseloff (CDU) äußerte sich "entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat". Dabei seien nicht nur Menschen getötet worden, es sei auch "ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land".
  • Der Zentralrat der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die das Gebäude nicht gesichert habe. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös. Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt", sagte er. Wie durch ein Wunder sei nicht noch mehr Unheil geschehen.
  • Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagt, sie habe der Angriff mit "Trauer und Wut" erfüllt. "Wenn ein schwer bewaffneter Terrorist auf offener Straße mordet, und wenn ein Zentrum jüdischen Lebens in einer deutschen Stadt am höchsten jüdischen Feiertag mit Schusswaffen und Sprengsätzen angegriffen wird, dann ist das ein Angriff auf das Zusammenleben in unserem Land."
  • Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus und rief die deutschen Behörden auf, den Antisemitismus weiter entschieden zu bekämpfen. "Der Terroranschlag auf die Gemeinde in Halle in Deutschland an Jom Kippur, dem heiligsten Tag unserer Nation, ist ein weiteres Zeichen, dass der Antisemitismus in Europa auf dem Vormarsch ist", warnte er auf Twitter.
  • Außenminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: "Dass am Versöhnungsfest YomKippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz. Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen. In diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und der Polizei."
  • Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) sagte während seines Aufenthalts in Luxemburg zum Treffen der EU-Finanzminister vor Journalisten: "Ganz klar ist, dass auch die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes jüdischen Glaubens sicher sein können, dass wir mit unserem ganzen Herzen bei ihnen sind und dass wir ihnen die ganze Solidarität übermitteln, die uns überhaupt möglich ist (...) Das (der Angriff in Halle, d. Red.) ist etwas, was jeden in Deutschland bedrücken muss."
  • SPD-Interimschefin Malu Dreyer sagte, ihre Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen. "Vieles deutet darauf hin, dass sich die brutale Gewalt gegen jüdisches Leben richtete. Das werden wir in Deutschland niemals dulden." Sie hoffe, der Polizei gelinge es, die Täter schnellstmöglich dingfest zu machen und für Sicherheit zu sorgen.
  • Manfred Weber, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, sagte im Europaparlament: "Es hat einen Angriff auf jüdisches Leben auf deutschem Boden gegeben, das ist für jeden, vor allem für mich als Deutschen, ein Schock (...) Antisemiten und all diejenigen, die die Freiheit des Glaubens in Frage stellen, sind nicht nur unsere Gegner, sie sind unsere Feinde."
  • Dietmar Bartsch, Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, twitterte: "Die Berichte aus Halle machen unendlich traurig und wütend. Am höchsten jüdischen Feiertag ein Anschlag auf jüdisches Leben in Deutschland - ekelhaft! Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Millimeter Platz haben."
  • Der Europaabgeordnete Sven Schulze twitterte ein Bild von der Gedenkminute aus Brüssel mit folgendem Text: "Die Kollegen aus ganz Europa sind über die Bilder und Nachrichten aus Sachsen-Anhalt genauso erschüttert, wie ich es bin."
  • Der Erzbischof von Köln, Rainer Maria Woelki, schrieb auf Twitter: "Ich bin erschüttert über die Nachrichten aus Halle. Beten wir für die Opfer und ihre Angehörigen und arbeiten wir gemeinsam daran, dass Juden in Deutschland nie wieder Angst haben müssen!"
  • Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) rief auf Twitter zu einem Zeichen gegen Antisemitismus auf: "Ich möchte nicht, dass Juden in unserem Land Angst haben müssen. Lasst uns gemeinsam einen Schutzschirm gegen Antisemitismus bilden. Ich stelle mich daher heute ab 20 Uhr vor die Synagoge in der Oranienburger Straße (in Berlin, die Red.). Kommt vorbei und zeigt Haltung!"
  • Der Grünen-Politiker Cem Özdemir schrieb auf Twitter: "Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert & traurig. Allen Verletzten & Angehörigen viel Kraft! Danke an die Polizei in Halle & allen Einsatz- und Rettungskräften, die sich dem Hass entgegenstellen! Passt auf Euch auf!"

Reaktionen auch aus dem Ausland:

  • UN-Generalsekretär António Guterres hat die tödlichen Schüssen in Halle scharf verurteilt. Guterres bewerte den Vorfall als "eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus", teilte ein UN-Sprecher in New York mit. Den Familien der Opfer, der deutschen Regierung und den Menschen in Deutschland sprach Guterres sein "tiefstes Beileid" aus. Den Verletzten wünschte er eine rasche Genesung.
  • Österreichs designierter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) äußerte sich ebenfalls auf Twitter: "Erschütternde Nachrichten aus Halle. Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer & hoffe, die Polizei fasst den/die Täter schnell. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um jüdische Gemeinden bestmöglich zu schützen. Null Toleranz für Antisemitismus!"
  • Es seien "entsetzliche Nachrichten über zwei Tote und einen Angriff auf eine Synagoge in Halle - heute an Jom Kippur", teilte Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen über Twitter mit. Sein Mitgefühl sei bei den Opfern, ihren Angehörigen und ihren Freundinnen und Freunden. "Wir müssen alles tun, damit Jüdinnen und Juden in Sicherheit leben können."
  • Auch der Chef der größten britischen Oppositionspartei, Jeremy Corbyn, äußerte sich zum Anriff in Halle: "Das ist eine schockierende und schändliche Attacke während des Jom Kippur, einem der heiligsten Tage im Jahr des Jüdischen Kalenders", schrieb der Labour-Chef auf Twitter. Seine Gedanken seien bei den Verletzten und Trauernden und bei den jüdischen Gemeinschaften in Halle und überall auf der Welt, so der 70-jährige Sozialdemokrat.
In eigener Sache

Der Täter von Halle (Saale) hat im Internet ein Video seines Anschlags und außerdem ein sogenanntes Manifest veröffentlicht. Der SZ liegen diese vor, wir veröffentlichen sie aber nicht. Terroristen versuchen, im Internet ihr Gedankengut zu verbreiten. Die SZ macht sich nicht zum Werkzeug dieser Strategie. Aus diesem Grund zeigen wir ebenfalls keine Bilder expliziter Gewalt und achten darauf, in der Berichterstattung über Details zur Tat die Würde der Opfer zu wahren.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4634157
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/dpa/KNA/mane
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.