Staatskrise in Haiti:Staatsanwalt klagt Premier wegen mutmaßlicher Verwicklung in Präsidentenmord an

Staatskrise in Haiti: Angeklagt wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Mord am Präsidenten: Haitis Premierminister Ariel Henry.

Angeklagt wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Mord am Präsidenten: Haitis Premierminister Ariel Henry.

(Foto: Valerie Baeriswyl/AFP)

Der Tod des haitianischen Präsidenten vor zwei Monaten ist mysteriös. Einige Ermittler im Fall Moïse haben angegeben, sich nach Todesdrohungen versteckt zu halten. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft den Übergangs-Regierungschef im Visier.

Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass der haitianische Staatspräsident Jovenel Moïse getötet wurde. In der Nacht zum 7. Juli war der 53-Jährige in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Moïses Ehefrau wurde bei der Tat angeschossen, überlebte aber.

Nun hat die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen Interims-Premierministers Ariel Henry beantragt. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den zuständigen Richter hervor, aus dem am Dienstag Medien übereinstimmend berichteten. Henry wurde demnach zudem in einem weiteren Brief an die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates die Ausreise untersagt.

In letzterem Schreiben - das in sozialen Medien verbreitet wurde, dessen Echtheit sich zunächst jedoch nicht bestätigen ließ - heißt es, es gebe schwerwiegende Anschuldigungen gegen Henry wegen Moïses Ermordung. Was ihm genau vorgeworfen wird, war zunächst unklar.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge sollen kolumbianische Söldner den Mord ausgeführt haben. Zu den Hintermännern sollen ein haitianischer Arzt, der in den USA wohnte, und ein Ex-Funktionär des haitianischen Justizministeriums gehören. Es gab in den vergangenen Wochen zahlreiche Festnahmen, aufgeklärt wurde der Fall jedoch bisher nicht.

Einige Ermittler im Fall Moïse haben angegeben, Todesdrohungen erhalten zu haben und sich deshalb versteckt zu halten. Der ursprünglich zuständige Richter trat zudem vor einem Monat zurück - er gab persönliche Gründe an.

Vor wenigen Tagen hatten örtliche Medien berichtet, die Ermittler hätten Premier Henry eingeladen, sich zu Telefonaten in der Nacht des Attentats zu äußern, die er mit einem der mutmaßlichen Hintermänner geführt haben soll. Henry prangerte am Samstag, ohne die Vorwürfe direkt anzusprechen, auf Twitter Ablenkungsmanöver an, die ihm zufolge Verwirrung stiften und die Justiz behindern sollten.

Moïse hatte Henry keine 36 Stunden vor seinem Tod zum bereits siebten Regierungschef seiner Amtszeit ernannt. Henry und sein Kabinett wurden allerdings nach einem Machtkampf um das Amt erst mehrere Wochen später am 20. Juli vereidigt. Da Haiti seit Anfang 2020 kein beschlussfähiges Parlament hat, konnte der 71 Jahre alte Ex-Innenminister und Neurochirurg nicht verfassungsgemäß im Amt bestätigt werden.

Für den 26. September sind Präsidenten- und Parlamentswahlen in dem ärmsten Land Amerikas geplant. Medienberichten zufolge werden diese nun auf den November verschoben. Örtliche Medien berichteten zuletzt auch über Machtkämpfe in der Regierung - vor allem zwischen Henry und dem Justizminister Rockfeller Vincent.

© SZ/olkl/ghe
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