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Getöteter Präsident von Haiti:Verdächtiger im Mordfall Moïse hatte Verbindung zu US-Behörde

Er war offenbar Informant für die Drogenbekämpfungsbehörde DEA. Auch weitere Verdächtige haben Verbindungen in die USA.

In dem Mordfall des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse kommt eine frühere Verbindung eines mutmaßlichen Attentäters zu einer US-Strafverfolgungsbehörde ans Licht. "Einer der Verdächtigen bei der Ermordung des Präsidenten war ein Informant für die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA", schrieb ein DEA-Mitarbeiter in einer E-Mail am Montag. Dieser habe sich nach der Tat an die DEA gewandt. Die Behörde habe ihn aufgefordert, sich zu stellen. Der mutmaßliche Täter sei zum Zeitpunkt des Attentats kein aktiver Informant gewesen. "Diese Personen haben nicht im Auftrag der DEA gehandelt."

Haitianische Behörden verhafteten in der vergangenen Woche zwei US-Amerikaner mit haitianischer Herkunft, sowie 26 Kolumbianer im Zusammenhang mit dem Mord. Bei den Amerikanern handelt es sich um den 55-jährigen Joseph Vincent und 35-jährigen James Solages. Aufzeichnungen des US-Bundesstaates Florida zeigen, dass Solages Lizenzen für einen Sicherheitsdienst und für Schusswaffen besitzt. Beide Verdächtige gaben an, sie seien als Übersetzer im Auftrag der kolumbianischen Einheit tätig gewesen, die Moïse verhaften wollte. Die Einsatzgruppe habe den Präsidenten aber bereits tot aufgefunden.

Ein dritter haitianischstämmiger US-Amerikaner, Christian Emmanuel Sanon, wurde am Sonntag als mutmaßlicher Drahtzieher des Mordes verhaftet. Das Motiv ist weiterhin unklar. Moïse war seit 2017 im Amt und regierte seit mehr als einem Jahr per Erlass, weil die Ausrichtung einer Wahl scheiterte. Die Opposition warf dem 53-Jährigen Korruption vor, es kam zu Massenprotesten. Moïse hat die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrungen, mit der er nach eigenen Angaben für mehr Stabilität sorgen wollte. Seine Gegner sahen darin den Versuch, eine Diktatur zu errichten. Nach Angaben der haitianischen Behörden wurde Moïse von ausländischen Profi-Killern getötet. Zwei Männer erklärten sich daraufhin jeweils zum Interims-Regierungschef.

© SZ/rtr/berj
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