Nachruf:Abschied von Pater Bernd Hagenkord

Radio Vatikan - Bernd Hagenkord

Bernd Hagenkord leitete die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan und war geistlicher Begleiter des sogenannten Synodalen Wegs.

(Foto: Radio Vatikan/DPA)

Als Journalist berichtete er direkt aus dem Vatikan, gern mit feiner Ironie. Als Geistlicher begleitete er die Reformdebatte zwischen Laien und Klerikern der katholischen Kirche. Nun ist der Jesuitenpater Bernd Hagenkord mit nur 52 Jahren verstorben.

Von Annette Zoch, München

Mit Mikrofon und Priesterkragen, ein leises Lächeln um die Mundwinkel, im Hintergrund der Petersdom - so kannten viele Menschen in Deutschland Pater Bernd Hagenkord. Als Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan erklärte, analysierte und kommentierte der Jesuitenpater und Journalist das Wirken des Papstes. Immer verlässlich, manchmal nachdenklich und oft mit der ihm eigenen, feinen Ironie. Nach zehn Jahren in Rom kehrte Hagenkord im September 2019 nach Deutschland zurück und übernahm in München die Leitung des Berchmanskollegs. In dieser Kommunität leben derzeit 40 Jesuiten.

Bernd Hagenkord wurde gemeinsam mit Maria Boxberg von der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) zum geistlichen Begleiter des Synodalen Wegs, der Reformdebatte zwischen Klerikern und Laien in der katholischen Kirche. Es war ihm stets wichtig, dass der Synodale Weg sich nicht als eine Art Tarifverhandlung versteht, sondern als geistlicher Prozess. In Gottesdiensten, Gebeten und geistlichen Impulsen prägte er die respektvolle Stimmung entscheidend mit.

Erst am vergangenen Freitag hatte er das Amt aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. Hagenkord sei "in komplexen Situationen, teils auch in Konfliktlagen Vermittler" gewesen und habe "zur Entschärfung und gegenseitigem Verständnis beigetragen", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing.

Der Jesuitenpater stammte aus Hamm und trat mit 24 Jahren in den Orden ein. 2002 wurde er in Köln durch Bischof Felix Genn zum Priester geweiht, 2010 legte er seine letzten Gelübde ab. Hagenkord studierte Journalismus, Geschichte, Philosophie und Theologie in Gießen, Hamburg, München und London. Nach seinem Studium arbeitete er als Jugendseelsorger in Hamburg und von 2002 bis 2012 in der Redaktion des Jesuiten-Magazins. Wie kein anderer habe er es verstanden, auch komplexe theologische Fragen verständlich zu machen, sagen Wegbegleiter.

Er kommentierte nachdenklich - und manchmal bissig

Privat war Bernd Hagenkord ein leidenschaftlicher Fotograf, sein Lieblingsmotiv Rom. In seinem Blog kommentierte er nachdenklich und manchmal auch bissig die Geschehnisse in der katholischen Kirche.

Zu den Synodalen Prozessen notierte er im März: "Gesprochen wird viel, auch gewollt. Nur die Konsequenzen, die will man nicht. Man bleibt in Appellen, in Wünschen, in Visionen, die Unruhe des Ausprobierens und der Umsetzung fürchtet man, davor warnt man lieber. Man kann aber nicht gleichzeitig etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen. Etwas gut finden und vor der Umsetzung warnen. Das Ideal hoch halten und die Realität desselben fürchten. Wandel hat Konsequenzen. Bekehrung der Kirche hat Konsequenzen. Das muss man ausprobieren und mit Hilfe des Geistes Gottes real werden lassen. Nicht immer wird alles gut und perfekt, aber ohne es zu probieren, bleibt es nur Prosa. Und probieren, bei allen Problemen, will der Synodale Weg."

Pater Bernd Hagenkord SJ ist am Montag im Alter von 52 Jahren in München an seiner schweren Krebserkrankung gestorben.

© SZ/skle
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