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Haftanstalt Bagram:USA schließen "Guantánamo Afghanistans"

Auch hier folterte die CIA: Das Gefängnis auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan.

(Foto: AFP)
  • Die USA haben ihr letztes Gefängnis in Afghanistan aufgelöst. Von 1. Januar an stehen alle Haftanstalten unter der Kontrolle der afghanischen Behörden.
  • Die letzten beiden Inhaftierten wurden den afghanischen Behörden übergeben. Darunter ist auch ein CIA-Folteropfer.
  • Die Entscheidung kommt kurz nach der Veröffentlichung des Berichts über die CIA-Folterverhöre.

USA übergeben letzte Gefangene an Afghanistan

Die USA haben in Afghanistan offiziell keine Gefangenen mehr. Medienberichten zufolge seien die letzten Inhaftierten aus Drittländern in die Verantwortung der Afghanen übergeben worden. Dies bestätigte ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Der Schritt sei nach einer eingehenden Prüfung durch das Pentagon und das US-Außenministerium erfolgt.

Auch die Los Angeles Times berichtete unter Berufung auf einen Pentagon-Sprecher, dass zwei inhaftierte Tunesier an die afghanischen Behörden übergeben worden seien. Zuvor sei ein Jordanier freigekommen, der entweder in seine Heimat zurückkehren oder in ein anderes Land ausreisen dürfe.

Zu den beiden Gefangenen zählt Berichten zufolge Redha al-Najar, der unter Verdacht stand, einer von Osama bin Ladens Leibwächtern zu sein. Er wurde Opfer der brutalen Verhörmethoden der CIA.

Entscheidung kurz nach Veröffentlichung des CIA-Folterberichts

Die Entscheidung, die letzten Gefangenen an die afghanischen Behörden zu übergeben, kommt nur kurz, nachdem der Senatsbericht zu den umstrittenen CIA-Verhörmethoden öffentlich wurde. Das Pentagon besitze nun in Afghanistan keine Haftanstalt mehr, sagte der US-Vertreter, der anonym bleiben wollte. Eigentlich sollte die Regelung erst in drei Wochen, von 1. Januar 2015 an in Kraft treten. Ab dann gilt das Sicherheitsabkommen zwischen den USA und Afghanistan, das die Haftanstalten vollständig unter die Kontrolle der afghanischen Behörden stellt.

Die USA hatten das umstrittene Gefangenenlager Bagram nahe der Hauptstadt Kabul zwar bereits im März 2013 in afghanische Hände übergeben. Die USA kontrollierten allerdings noch jenen Teil, in dem ausländische Gefangene einsitzen. Dutzende Häftlinge aus Drittländern standen damit noch unter amerikanischer Kontrolle, davon waren die meisten Pakistaner. Das Lager Bagram galt als das "andere Guantánamo", nachdem mehrfach Berichte über Misshandlungen und Folter in dem Lager bekannt geworden waren.

Ende des Nato-Kampfeinsatzes

Der Nato-geführte Kampfeinsatz in Afghanistan endet mit diesem Jahr. Von 2015 an soll eine deutlich kleinere Militärmission die afghanischen Sicherheitskräfte mit Ausbildern und Beratern unterstützen. An der Nachfolge-Mission beteiligt sich auch die Bundeswehr.

© SZ.de/AFP/dpa/hai/fued
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