bedeckt München 20°

Hacker:Ein Schüler stahl die Politiker-Daten

Der 20-Jährige aus Hessen ist geständig, er handelte offenbar aus Ärger über politische Äußerungen. Innenminister Seehofer nennt den Fall einen "Warnschuss", er will mehr für digitale Sicherheit tun.

Von Nico Fried und Susanne Höll, Berlin/Wiesbaden

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Veröffentlichung von persönlichen Daten mehrerer Hundert Politiker als "ernsthaften Warnschuss" bezeichnet. Nach der vorläufigen Festnahme und einem Geständnis des mutmaßlichen Täters kündigte Seehofer am Dienstag in Berlin zusätzliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit digitaler Daten an, forderte aber auch mehr Eigenverantwortung von Internetnutzern. Nachdem die Fahnder einen 20 Jahre alten Mann aus Mittelhessen als mutmaßlichen Täter identifiziert haben, würdigte Seehofer die Arbeit der Sicherheitsbehörden als "sehr rasch, sehr effizient und sehr gut". Er räumte allerdings ein, dass die komplette Löschung aller in diesem Fall veröffentlichten Daten wohl nicht möglich sei, weil sie bereits zu weit verbreitet seien.

Der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, nannte das Ausspähen von Daten ein Massendelikt. Das Hauptproblem seien schlechte Passwörter. Seehofer sagte, "Sorglosigkeit wäre hier fehl am Platz", und ergänzte mit Blick auf leicht zu knackende Passwörter: "'I love you' ist nicht besonders einfallsreich." Die Bundesregierung prüfe nun unter anderem die Schaffung eines Frühwarnsystems in Verbindung mit einer rund um die Uhr einsatzfähigen Crew im Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Zudem wolle man die Bürger verstärkt über Gefahren im Netz aufklären. Deutlich mehr Stellen bei BKA und BSI seien bereits vom Bundestag bewilligt worden, so Seehofer. Laut BSI-Präsident Arne Schönbohm sind von dem Datendiebstahl nach bisherigen Erkenntnissen 994 aktive oder frühere Politiker betroffen.

Bei dem Datendieb handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen 20 Jahre alten Schüler aus Mittelhessen, der am Sonntag in der elterlichen Wohnung vorläufig festgenommen worden war. Der technisch begabte junge Mann, der nach Angaben des BKA und der Frankfurter Staatsanwaltschaft geständig ist und als Motiv für seine Aktionen Verärgerung über öffentliche Äußerungen zahlreicher Politiker angegeben hatte, ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Es gebe weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr, sagten die Ermittler und verwiesen darauf, dass der junge Mann aus juristischer Sicht ein Heranwachsender sei und somit besonderen Schutz genieße.

Bislang gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass er allein agierte. Der Mann sei schon einmal vor zwei Jahren wegen des Ausspähens von Daten und wegen Vorbereitungen dazu aufgefallen, sagte BKA-Präsident Holger Münch. Der 20-Jährige sei aber nicht vorbestraft. Für den zuletzt geäußerten Verdacht, der Datendieb könne mit der rechten Szene sympathisieren, fanden die Fahnder bislang keinen Beleg. Laut Seehofer und Münch hatte er auch keine Unterstützung von staatlichen Stellen, etwa von ausländischen Geheimdiensten. Strafrechtlich droht ihm eine Anklage wegen illegalen Ausspähens von Daten sowie Datenhehlerei. Bei Erwachsenen wird das mit Geld- oder Haftstrafen von bis zu drei Jahren geahndet, Heranwachsende können hingegen mit milderen Urteilen rechnen.

© SZ vom 09.01.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite