Hacker-Angriffe:China weist Vorwürfe der USA wegen Cyber-Spionage zurück

Die amerikanische Regierung beschuldigt die Chinesen gezielter Spionageangriffe auf US-Netzwerke. Peking reagiert verärgert - und spricht von "unverantwortlichen" und "haltlosen" Vorwürfen.

China hat amerikanische Vorwürfe wegen Hacker-Angriffen auf die USA als "unverantwortlich" zurückgewiesen. Eine Sprecherin des chinesischen Außenamtes sagte, die Hacker-Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage und schadeten den bilateralen Bemühungen um Zusammenarbeit und Dialog.

Der Forscher Wang Xinjun von der Militärakademie der Volksbefreiungsarmee sprach der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge von "haltlosen Beschuldigungen". Er erklärte: "Auch wenn allgemein bekannt ist, dass der Ursprung von Hacker-Angriffen nicht nur durch die Internet-Protokoll-Adresse bestimmt werden kann, ziehen es einige Leute im Pentagon weiter vor zu glauben, dass sie aus China kommen, weil sie immer ein Gefühl der Rivalität haben".

Die USA hatten China erstmals gezielte Spionageangriffe auf die Computernetzwerke des amerikanischen Militärs vorgeworfen. Die Volksrepublik versuche mit staatlich finanzierter Industrie- und Technologiespionage an Informationen für die eigene Rüstungsindustrie zu gelangen, um ihre militärische Modernisierung voranzutreiben, hieß es in dem am Montag in Washington vorgelegten Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums zu China. "China nutzt seine Möglichkeiten zur Ausbeutung von Computer-Netzwerken, um Informationen über diplomatische, wirtschaftliche sowie Verteidigungsbereiche zu sammeln", hieß es in dem Bericht.

Die US-Regierung sei anhaltend Ziel von Cyber-Übergriffen, von denen einige anscheinend direkt der chinesischen Regierung und dem Militär zuzurechnen seien, hieß es in dem seit dem Jahr 2000 jährlich vom Kongress angeforderten Bericht weiter. Chinas Cyber-Spionage sei ernsthaft besorgniserregend, da die dafür erforderlichen Fähigkeiten auch genutzt werden könnten, um Computernetzwerke anzugreifen.

Trotz Tendenz zu größerer Offenheit liegt vieles im Dunkeln

China treibe seine militärische Entwicklung zudem nicht in der transparenten und nachvollziehbaren Weise voran, "wie sie andere sicherlich erwarten", kritisierte der für Ost-Asien zuständige stellvertretende Staatssekretär David Helvey. Er warnte vor den "potenziellen Implikationen und Konsequenzen", die diese mangelnde Offenheit für die sicherheitspolitischen Erwägungen anderer in der Region vertretenen Staaten haben könnte.

Die Spannungen in der Region haben zugenommen, nicht zuletzt durch Chinas selbstbewusstes militärisches Auftreten und seine Souveränitätsansprüche etwa auf Inseln, die auch Japan für sich reklamiert. Helvey sagte, es gebe zwar eine Tendenz zu größerer Offenheit. Dennoch liege vieles im Dunkeln.

Nach offiziellen chinesischen Angaben ist der Militäretat in den vergangenen zehn Jahren inflationsbereinigt jedes Jahr um etwa zehn Prozent gestiegen. Die tatsächlichen Ausgaben könnten Helvey zufolge aber höher liegen. So habe China offiziell im vergangenen Jahr 106 Milliarden Dollar für das Militär aufgewendet. In Wahrheit könnte der Betrag aber zwischen 135 und 215 Milliarden Dollar gelegen haben. Der Jahresetat des Pentagons beträgt mehr als 500 Milliarden Dollar.

© Süddeutsche.de/dpa/Reuters/ratz
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