Datendiebstahl Dieser Angriff gilt der ganzen Gesellschaft

Menschen laufen durch die Freiburger Innenstadt (Symbolfoto).

(Foto: dpa)

Der Hackerangriff auf Politiker und Prominente schwächt das Vertrauen in die Demokratie und zeigt: Jeden kann es treffen, in ihrer Privatsphäre sind alle verletzlich.

Kommentar von Julia Bönisch

Kein Schuss fiel, keine Explosion war zu hören, der Angriff kam lautlos. Der Terror - in seiner wörtlichen Bedeutung "Schrecken" - hat im digitalen Raum eine neue Dimension bekommen: Hunderte deutsche Politiker und Prominente sind Opfer einer Hackerattacke geworden, von der sich bislang nicht sagen lässt, aus welcher Richtung sie kommt und was die Motive hinter ihr waren.

Unbekannte haben Chats und Mails, Personalausweisdaten und Telefonnummern, Adressen und Kinderfotos im Netz veröffentlicht. Die Betroffenen werden terrorisiert, indem ihre privaten Daten öffentlich gemacht wurden.

Dabei geht es - soweit bisher bekannt - nicht um politisch Brisantes, die Daten decken keinen Skandal auf, sie verraten keine Staatsgeheimnisse. Ziel der Attacke war vielmehr höchst Persönliches, und eben das macht sie politisch brisant.

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Der Angriff ist einer auf das Vertrauen in unsere Demokratie

Der Angriff zeigt: Private Daten sind im Internet nicht nur eine Ware von hohem Wert geworden, diese Ware ist auch der Hehlerei, dem Missbrauch und dem Diebstahl zugänglich. Das Erschreckende daran: Es kann jede und jeden treffen, weil in ihrer Privatsphäre alle verletzlich sind. Dafür braucht es noch nicht einmal ein Konto bei Facebook oder Twitter - jeder, der schon einmal ein Foto per Whatsapp verschickt hat, kann potenziell zum Opfer werden.

Hier zeigen sich die Parallelen zum Terror - auch wenn in diesem Fall niemand verletzt oder gar getötet worden ist. Im Auslösen einer diffusen Angst, weil es jederzeit jeden, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist, treffen kann, ähnelt die digitale Attacke in ihrer verletzenden Skrupellosigkeit Anschlägen in der analogen Welt.

Die Frage, ob öffentliche Räume für den Einzelnen sicher sind, stellt sich für Facebook und das Outlook-Postfach genauso wie für Fußballstadien und das Oktoberfest. Damit zeigt der Schrecken seine Wirkung: eine systematische Verunsicherung und das vage Gefühl, die Gesellschaft als solche werde angegriffen. So deutete denn auch Justizministerin Katarina Barley das Ziel des Datenklaus: Die Urheber wollten Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen.

Jeder Einzelne muss lernen, seine Daten im Netz zu schützen

Nun dürften auch die Reaktionen auf den Hackerangriff denen nach Anschlägen ähneln. Schon werden Rufe nach mehr Abschottung, mehr Geld und mehr Personal laut. Ja, die Sicherheitsbehörden brauchen mehr und besser ausgebildete Fachkräfte, um Cyberkriminalität effektiver verfolgen zu können. Doch auch der Einzelne muss lernen, sich im Netz souveräner zu bewegen. Solange der Deutschen liebstes Passwort "123456" lautet und das Wissen um Datensparsamkeit und Verschlüsselung als Geheimwissenschaft für Experten gilt, begeben sich die Nutzer in Gefahr. Dabei ist jeder in der Pflicht, die Regeln des Web ebenso zu lernen wie die der Straßenverkehrsordnung, wenn er sich in ein Auto setzt.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Absolute Sicherheit, vollkommenen Schutz gegen Attacken gibt es weder in freien Demokratien noch in einem freien Netz. Wer nun kulturpessimistisch soziale Netzwerke oder das Internet als solches verdammt, müsste analog auch sämtliche Großveranstaltungen verbieten. Diese Macht sollte kein Attentäter über uns haben - offline nicht und auch nicht im Netz.

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