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Guttenberg-Affäre:Unter Beobachtung

Plagiatskontrolle ist an seiner Fakultät durchaus ein Thema, größere Hausarbeiten müssen als Computerdatei eingereicht werden, damit der Text leichter überprüft werden kann. "Wenn ich den Erwischten null Punkte gebe, brechen manche Studenten in Tränen aus", sagt Fischer-Lescano. Eine Bremer Studentenvertreterin beschreibt den Juraprofessor als "hart, aber fair". Die Stellen, an denen sich Guttenberg aus Presseartikeln bedient hatte, ließen bei Fischer-Lescano den Verdacht aufkommen, er habe eigene Reden verhackstückt. Besonders seicht empfand er die Passage, wo Guttenberg einen Text der NZZ am Sonntag übernommen hat. Er gab deshalb einen Halbsatz in die Google-Suche ein. Am Ende hatte er neun solcher Textstellen.

Die Affäre nahm ihren Anfang. Seither ist der Jurist unter Beobachtung. Unbekannte forderten seine Bücher und Aufsätze an, eine Journalistin fragte seinen Studienfreund aus, ob es Verbindungen zu Parteien oder Polit-Organisationen gibt, der Sprecher des Verteidigungsministeriums machte darauf aufmerksam, dass er Vertrauensdozent der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ist. Eine gezielte Schmutzkampagne ließe die ganze Affäre in anderem Licht erscheinen. Doch es fand sich nur die Bestätigung dafür, dass der Professor politisch links steht: Er beteiligt sich am "Institut solidarische Moderne", das Hessens frühere SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti mitgegründet hat. "Aus der SPD bin ich schon nach dem Asylkompromiss 1992 ausgetreten", sagt er.

Fischer-Lescano hätte seine Entdeckung dazu nutzen können, groß rauszukommen, sich einen Namen zu machen als bekanntester Juraprofessor oder Enthüller. Die Anne-Will-Redaktion hat ihn angefragt, genauso wie Johannes B. Kerner und Thomas Gottschalk für seine geplante Sendung Menschen 2011. Er hat allen abgesagt. "Es wäre mir unangenehm, in Talkshows zu gehen, man kann das Problem dort nicht erhellen."

Das lässt sich leichter verstehen nach einem Blick in seine jüngste Erklärung zur Affäre, eine Kritik an der Universität Bayreuth. Dort würden "Errungenschaften des Rechtsstaates . . . durch soziale Netzwerke kurzgeschlossen." Das zündet nicht bei Anne Will. Wäre er trotzdem in den Ring gestiegen, so hätte sich die Debatte stark um seine Person gedreht und weniger um die Plagiatsvorwürfe an den Minister. Das wollte der Professor nicht.

Ob er stolz ist? Nein, sagt Fischer-Lescano, weder auf die Entdeckung noch auf den Rücktritt. Immerhin, das Wort macht ihn lebendig. Er löst die Umarmung mit seinem Holzstuhl und springt hinüber zur Bücherwand, um eine dicke Festschrift für seinen Habilvater und einen dünneren Band mit einem seiner Texte zu präsentieren. "Das ist mir viel wichtiger." Jetzt schreibe er an einem Buch zu sozialen und globalen Rechten. "Ich möchte meine Arbeit machen und diese Guttenberg-Sache abhaken." Um Geld für diese Arbeit zu bekommen, Drittmittel von Stiftungen oder Unternehmen, sei der Ruf als linker Guttenbergjäger eher hinderlich.

Seine Bremer Sekretärin hat gerade ein paar ausgesuchte Hassmails weitergeleitet, "es gibt ja wohl kaum ein größeres Dreckschwein - Pfui Teufel", heißt es da. Fischer-Lescano lacht. Inzwischen bekommt er auch mal Entschuldigungen für solche Mails.