Guttenberg: Plagiatsaffäre:Rücktritt? "Unsinn!"

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Mehr Substanz hat der Verdacht, Guttenberg habe die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages für seine Doktorarbeit eingespannt. An drei Stellen der Dissertation verweist er auf entsprechende Expertisen. Auf Seite 373 gibt er an, das Kapitel beruhe auf einem Vortrag, den er im Mai 2004 gehalten habe. Dafür hätten die Wissenschaftlichen Dienste "wichtige Grundlagenarbeit" geleistet. Dabei handelt es sich, wie der Spiegel berichtet, unter anderem um ein - von Guttenberg weitgehend übernommenes - zehnseitiges Papier des Referenten Ulrich Tammler mit der Registernummer WFIII-100/04 und dem Titel: "Die Frage nach einem Gottesbezug in der US-Verfassung und die Rechtsprechung des Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion".

Tammler, selbst Jurist und mittlerweile im Ruhestand, erinnerte sich, dass "da mal was war". Beim Wissenschaftlichen Dienst habe er viele Gutachten zu Themen wie Bundeswehr oder Staatskirchenrecht verfasst. "Wir erfahren aber nicht, was damit passiert", beschreibt Tammler die Arbeitsweise; ständig könnten einzelne Abgeordnete, wie damals Guttenberg, Expertisen bestellen. Was anschließend damit geschieht, könnten die Referenten nicht überprüfen.

Die Referenten sollen die Abgeordneten unterstützen, ihre Arbeit ist aber politisch neutral. Die Opposition sieht im Nutzen der Dienste für die Dissertation einen möglichen Missbrauch. Denn der Service der Referenten darf nur für mandatsbezogene Tätigkeiten in Anspruch genommen werden. Womöglich kann sich Guttenberg aber darauf berufen, dass er die Expertisen tatsächlich zunächst im Rahmen seines Mandats benötigte. Die Themen seiner Dissertation waren ja auch für den Abgeordneten Guttenberg relevant. Dennoch bliebe der Vorwurf des Plagiats.

Guttenberg zeigte sich weiterhin unbeeindruckt von den Anschuldigungen. Dem Magazin Focus antwortete er auf die Frage, ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe, knapp mit: "Unsinn!". Es liege nicht bei ihm, zu beurteilen, was der Vorgang für seine Glaubwürdigkeit und Autorität bedeute. "Aber beidem gerecht zu werden, bleibt mein Anspruch", sagte er. In einer Emnid-Umfrage für das Magazin sprachen sich nur 27Prozent für einen Rücktritt des Ministers aus. Und 57 Prozent der Deutschen halten ihn nicht für einen Schwindler, wie eine weitere Emnid-Umfrage für die Bild am Sonntag ergab. Eine Mehrheit von 52 Prozent hält allerdings die Glaubwürdigkeit des Ministers für beschädigt.

Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) forderte ein höheres Qualitätsbewusstsein in der Wissenschaft. Der Fall Guttenberg sei "kein Einzelfall, nur besonders spektakulär". Zöllner ist Vorsitzender der Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern. Er schlug vor, Fördermittel an strengere Auflagen zu binden.

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