Guttenberg in der Kritik Die einsame Show des bayerischen Barons

Karl-Theodor zu Guttenberg neigt häufig dazu, Politik nicht zu machen, sondern nur zu inszenieren. Das mag seine Popularität zwar sichern. Ansonsten aber hilft es niemandem.

Ein Kommentar von Nico Fried

Dieser Tage erlebt Karl-Theodor zu Guttenberg, wie nahe Einzigartigkeit und Einsamkeit beieinanderliegen. Der Verteidigungsminister hat Ärger mit der Kanzlerin, Teilen der Unionsfraktion und seiner CSU. Es geht um die Wehrpflicht, um Geld und um angebliche Intrigen.

Karl-Theodor zu Guttenberg: Eigentlich ist der Verteidigungsminister ein Freund der klaren Kante. Nur nicht, wenn es drauf ankommt. 

(Foto: ag.dpa)

Am Samstag zogen Rücktrittsgerüchte durchs Land. Am Sonntag hieß es, Guttenberg wolle nicht zurücktreten - und am Montag plötzlich, er habe auf den Rücktritt verzichtet, den er doch gar nicht beabsichtigt hatte. Am lautesten aber dröhnte die ganze Zeit das Schweigen all der Kollegen, die Guttenberg nicht zum Bleiben überredeten.

Seit Februar 2009 ist Karl-Theodor zu Guttenberg nun Bundesminister. Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit heißt, dass die Aufregung um seine Person meistens viel größer ist als die politische Wirkung des Ministers. An nichts wird das deutlicher als an seinem erneut ausgefallenen Abgang. Schon zweimal war nun davon die Rede, beide Male hat Guttenberg nicht geliefert. Der Minister ist ein Freund der klaren Kante. Nur nicht, wenn es drauf ankommt.

Ein bisschen Neid ist wohl dabei

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Neid auf Deutschlands beliebtesten Politiker jene bösen Geschichten mitschreibt, die jetzt zum Beispiel über sein rumpelstilzchenhaftes Benehmen verbreitet werden. Aber Guttenberg hat auch sehr viel dafür getan, sich diese Missgunst unter Kollegen zu verdienen. Der Freiherr hat sich schon in seiner Zeit als Wirtschaftsminister sorgsam als Solitär inszeniert. Es kann ihn nicht wirklich wundern, dass er jetzt isoliert erscheint. Guttenberg hat sich bewusst vom Typus des gewöhnlichen Politikers abgegrenzt. Hier der ungewöhnliche Minister, dort der übliche Betrieb. Das hat manche verprellt, die er jetzt als Unterstützer gut gebrauchen könnte.

Als Guttenberg das erste Mal mit seinem Rücktritt spielte, ging es um Opel. Der damalige Wirtschaftsminister stand in der großen Koalition allein gegen alle, blieb aber im Amt. Guttenberg inszenierte sich als Hüter ordnungspolitischer Grundsätze und lebte davon, anders zu sein als die Kompromissler in Regierung und Koalition. Sein politisches Programm bestand ganz wesentlich darin, eigentlich kein Politiker zu sein.

Könnte sich so jemand jetzt ernsthaft darüber beklagen, ihm fehlten die Verbündeten und niemand redete mit ihm?

Als sein Ministerium im Sommer 2009 mitten im Wahlkampf die Reinheit der Lehre in einige praktische Punkte übersetzte, verwarf Guttenberg das Papier, obwohl es in weiten Teilen der Unions-Programmatik entsprach. Weniger Kündigungsschutz, keine Mindestlöhne, Steuersenkungen. Der Minister ließ sich mit dem Satz zitieren: "So geht das nicht." Er versprach, ein neues Konzept zu erarbeiten. Es kam nie zustande. "So geht das", hat man von ihm nicht mehr gehört. Er ging einfach weiter, wo er einmal hätte stehen können.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Der inszenierte Minister