Guido Westerwelle und die FDP:Vorbauen für den nächsten Knall

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Trotz aller Dankbarkeit für den Erfolg von 2009, als Westerwelle für die FDP quasi im Alleingang 14,6 Prozent geholt hat, sehen viele Freidemokraten in Westerwelle einen der Hauptverursacher der existenzbedrohenden Krise: "Die aktuelle Parteispitze um Rösler löffelt die Suppe aus, die Westerwelle eingebrockt hat", fasst ein Liberaler zusammen.

Seit seiner erzwungenen Demission vom Parteiamt, hat sich Westerwelle innenpolitisch erkennbar zurückgehalten, wofür man ihm im Parteivorstand auch in diesen Tagen durchaus Respekt zollt. Seine Geräuscharmut hat ihn im öffentlichen Ansehen nicht beliebter gemacht. Aber sie hat ihm auch nicht geschadet.

Dass er nun nur aus Sorge um die Partei wieder mitmischen will, zweifeln viele Parteifreunde an. Dafür ist schon die Gefahr zu groß, dass Westerwelle mit einer pointierten und kraftvollen Rede Parteichef Rösler blass aussehen lassen würde. Westerwelle mag kein großer Stratege sein. Seine rhetorischen Fähigkeiten aber sind so unbestritten wie gefürchtet. Mancher, der nicht unbedingt als Guido-Fan gilt, erinnert sich noch gerne an Westerwelles krachenden Auftritt im November 2011 beim Parteitag in Frankfurt. Damals sprach Westerwelle fünf Minuten gegen die Euro-Rebellen Frank Schäffler und seinen Anhang. Der Saal tobte - im Gegensatz zur ausgewogenen Ansprache von Parteichef Rösler.

Das haben auch die Anhänger Westerwelles registriert. Und doch sind es seine politischen Freunde, die fürchten, dass er nun zu dick auftragen wird. Zumal der Außenminister andere Felder bisher nahezu unbeackert gelassen habe. Hauptkritikpunkt: Westerwelle sei in der aktuellen Euro-Krise de facto ein Ausfall. Er positioniere weder sich noch die FDP zu den Rettungspaketen, die wie am laufenden Band zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nikolas Sarkozy abgestimmt und in Brüssel geschnürt werden.

Dabei sei die Europapolitik das Kerngeschäft des deutschen Außenministers. Einige vermissen eine "konstruktiv-kritische" Haltung. Anderen würde es schon reichen, wenn die FDP wenigstens als Wasserträger Merkels wahrgenommen würde. Schlicht deshalb, weil sie dann überhaupt wahrgenommen würde.

Auch andere außenpolitische Felder gebe es zuhauf - beispielsweise die Türkei, Israel, der Nahe Osten insgesamt. Lauter Themen, mit denen Westerwelle für die FDP glänzen könne, heißt es aus Parteikreisen.

Mit innenpolitischen Ansagen Westerwelles habe die Partei überdies zuletzt eher schlechte Erfahrungen gemacht. In den Ohren vieler Liberaler klingelt immer noch Westerwelles Wort von der "spätrömischen Dekadenz" im Zusammenhang mit Hartz-IV-Empfängern. Etwas von dieser Qualität könne die Partei gerade nicht gebrauchen, heißt von einem, der nicht zitiert werden will. Er sollte nicht "irrlichtern in Feldern, die ihn nichts angehen", rät eine Parteifreundin.

Nein, hinter dem erwarteten Vorstoß Westerwelles werden ganz andere Motive vermutet. Machterhalt, wird immer wieder genannt. Westerwelle wolle vorbauen für den Fall, dass es nach einer Wahlniederlage für die FDP bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein Anfang Mai ein neues Großreinemachen gibt. Dem könnte Westerwelle zum Opfer fallen. Wahrscheinlich ist das nicht, aber vorbauen dürfte der gewiefte Ex-Parteichef trotzdem.

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