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Guatemala:Kaum sicher

Donald Trump hat es gewollt: Das Land in Mittelamerika gilt nun als sicheres Drittland, so sollen Flüchtlinge daran gehindert werden, weiter gen USA zu ziehen. Dabei hätte die Regierung in Washington allen Grund dazu, sich um die Menschen zu kümmern.

Von Benedikt Peters

Kriminelle Banden töten Menschen, erpressen Schutzgeld und werden von der Polizei kaum daran gehindert: Ein Land, in dem all dies möglich ist, gilt nun also als "sicheres Drittland". Mit politischer Vernunft lässt sich das nicht erklären. Sondern nur mit den persönlichen Machtansprüchen Donald Trumps.

Der US-Präsident möchte 2020 wiedergewählt werden, und dafür ist es wichtig, dass er von seiner Klientel als starker Mann wahrgenommen wird, dem es gelingt, die Migration aus Mittelamerika einzudämmen. Aus diesem Kalkül heraus hat er erst Mexiko unter Druck gesetzt. Nun zwingt er Guatemala dazu, der Einstufung als sicheres Drittland zuzustimmen. Honduraner und Salvadorianer, die vor Verfolgung oder Armut fliehen, müssen nun in Guatemala bleiben, statt weiterzuziehen - dabei ist die Lage dort ähnlich schlimm wie in ihrer Heimat.

Trumps Manöver ist unerträglich. Denn frühere US-Regierungen haben entscheidend zum Elend in Mittelamerika beigetragen. In Guatemala haben sie einen 36 Jahre dauernden Bürgerkrieg mitverursacht, von dem sich das Land bis heute nicht erholt hat. Einige der in Mittelamerika wütenden Banden haben zudem ihren Ursprung in den USA. Es wäre nur anständig, wenn sich Washington um diese Menschen kümmern würde, statt sie fernzuhalten.

© SZ vom 29.07.2019

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