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Gruppe "Aryans":Schwarzpulver und eine Präzisionsarmbrust gefunden

Nicht außer Acht lassen kann man aber, was bei der Überprüfung der beiden Mobiltelefone von Martina H. gefunden wurde: Sätze von Martina H., man habe in Halle "Zecken verdroschen" oder die "Aryans" hätten sich schnell einen Namen gemacht in der Szene. Gerade wurde sie wegen Führens einer Schusswaffe verurteilt.

In Carsten M.s Wohnung wurde Schwarzpulver gefunden, eine Präzisionsarmbrust mit Zielvorrichtung, ein Dutzend scharfer Messer, eine Vorderladerpistole, ein Handtuch mit SS-Runen, eine Hakenkreuzfahne im Schlafzimmer. Und das Schild: "Volksgenosse, trittst du ein, soll dein Gruß 'Heil Hitler' sein!!!!!"

Aber auch auf das soll man nichts geben - das fand zumindest die ermittelnde Staatsanwältin. "Die Ausgestaltung der eigenen vier Wände ist, sofern keine Außenwirkung eintritt, in der Bundesrepublik Deutschland jedem überlassen", schrieb sie. "Über Geschmack muss man bekanntlich nicht streiten." Es ist die selbe Staatsanwältin, die die Polizei anrief und erklärte, die Beamten sollten die drei Mobiltelefone von Carsten M. nicht durchsuchen, man habe schon genug in der Hand. Ausgerechnet die Telefone des Mannes, der der Bundesanwaltschaft als Anführer einer rechtsterroristischen Vereinigung gilt.

Wenig Interesse der Ermittler

Der Nebenklagevertreter fragt noch mal nach. Offenbar traut er seinen Ohren nicht. "Gab es diese Anweisung der Staatsanwaltschaft, die Überprüfung der Telefone sein zu lassen? Weil die Telefone von Frau H. schon genügten?", fragt Anwalt Sebastian Scharmer den Ermittlungsführer der Polizei. Ja, sagt der und nickt. "Das verstehe ich nicht", sagt Scharmer. Die drei nicht ausgewerteten Telefone liegen noch in Halle. Vielleicht hat ja wenigstens die Bundesanwaltschaft Interesse daran.

Auch sonst herrschte wenig Interesse der Ermittler: Bei Martina H. wurde nicht durchsucht, auch nicht bei den anderen Autoinsassen. Selbst als die Hessen den Ermittlern in Halle interessante Informationen schickten: dass Carsten M. der "Division Braune Wölfe" angehöre, einer bundesweit agierenden Neonazi-Truppe. Dass die Gruppe kurz vor dem Vorfall eine rechte Party rund um ein riesiges Hakenkreuz gefeiert habe. Dies alles hielt die ermittelnde Staatsanwältin für absolut alltäglich.

Die Nebenklage forderte, sie auszuwechseln. Ein Kollege von ihr nimmt nun an der Verhandlung teil. Am Freitag verurteilte das Gericht Martina H. zu einem Jahr auf Bewährung, Carsten M. muss für dreieinhalb Jahre in Haft.

Rechtsextremismus Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Neonazigruppe

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Schon seit März 2018 laufen die Ermittlungen gegen die "Aryans" wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das könnte auch Auswirkungen auf einen Prozess in Halle haben.   Von Susanne Höll, Reiko Pinkert und Annette Ramelsberger