Grundschule:Für die Ganztagsbetreuung fehlen Zehntausende Fachkräfte

Lesezeit: 2 min

Grundschule: In Deutschland fehlen Zehntausende Erzieherinnen und Sozialpädagogen, um bis Ende des Jahrzehnts allen Grundschulkindern den gesetzlich garantierten Ganztagsplatz sicher anbieten zu können.

In Deutschland fehlen Zehntausende Erzieherinnen und Sozialpädagogen, um bis Ende des Jahrzehnts allen Grundschulkindern den gesetzlich garantierten Ganztagsplatz sicher anbieten zu können.

(Foto: Soeren Stache/dpa)

In wenigen Jahren soll jedes Grundschulkind ein Recht auf Ganztagsbetreuung haben: Das könnte ein leeres Versprechen bleiben. Denn eine Studie gibt nur drei Bundesländern gute Zeugnisse.

Jedes einzelne Grundschulkind hat in Deutschland künftig einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Für die Umsetzung bis Ende des Jahrzehnts fehlen einer Studie zufolge aber Zehntausende Erzieher und Sozialpädagogen. Die Bundesländer müssten gemeinsam mit allen Verantwortlichen schon jetzt handeln, um dem steigenden Personalmangel in Grundschulen und Horten vorzubeugen, forderte Anette Stein von der Bertelsmann-Stiftung, die die Studie am Dienstag veröffentlichte.

Insgesamt könnten mehr als 100 000 pädagogische Fachkräfte fehlen. Vor allem im Westen wird die Umsetzung des Rechtsanspruchs demnach schwierig, im Osten sollte dagegen der vergleichsweise schlechtere Personalschlüssel auf West-Niveau verbessert werden. Am finanziellen Spielraum scheitert es der Studie zufolge nicht - es gibt schlicht zu wenige Menschen, die den Beruf ergreifen wollen.

Bund und Länder hatten im vergangenen September einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule beschlossen, der schrittweise eingeführt wird. Ab dem Schuljahr 2026/2027 greift die Regelung bei Kindern der 1. Klasse, ab 2029/2030 bei allen Klassen.

Die Ausgangslagen in den Bundesländern unterscheiden sich stark: Im Osten der Bundesrepublik nutzen bereits heute im Schnitt 83 Prozent der Grundschulkinder ein Ganztagsangebot. Dazu kommen 3,5 Prozent, die ein Übermittagsangebot bis 14.30 Uhr besuchen. Im Westen sind es dagegen nur 47 Prozent im Ganztag und 18 Prozent im Übermittagsangebot. Dafür hinkt die Personalausstattung in den neuen Bundesländern hinterher: In Horten etwa muss eine Vollzeit-Fachkraft dort rechnerisch mehr als doppelt so viele Kinder betreuen wie eine Kollegin oder ein Kollege im Westen.

Große Unterschiede beim Personalschlüssel

Ein gutes Zeugnis stellt die Studie nur Berlin, Hamburg und Thüringen aus. Dort gibt es bis Ende des Jahrzehnts der Prognose zufolge genügend Personal, um jedem einzelnen Grundschulkind einen Ganztagsplatz anzubieten - und das bei einem guten Betreuungsschlüssel.

Auch alle weiteren ostdeutschen Bundesländer können demnach bis 2030 jedem Kind ein Ganztagsangebot machen. Allerdings plädiert die Bertelsmann-Stiftung dafür, die personelle Situation an Grundschulen und Horten zu verbessern. Würde man sich an Westdeutschland orientieren, wären laut der Prognose dafür etwa 26 000 zusätzliche Fachkräfte nötig. Die könnten der Studie zufolge mit Bundesmitteln aus dem Ganztagsförderungsgesetz finanziert werden.

Die westdeutschen Bundesländer müssten sich dagegen auf den Platzausbau konzentrieren. Sollte jedem einzelnen Kind in der Grundschule ein Ganztagsangebot gemacht werden, bräuchte es bis 2030 aber mehr als eine Million zusätzliche Plätze und etwa 76 000 Fachkräfte. Selbst wenn nur die heutige Quote Ostdeutschlands - wo mehr als vier von fünf Grundschülern ganztags betreut werden - angepeilt würde, fehlten noch 55 000 Fachkräfte. Und auch wenn ein Teil der Kinder weiter das Übermittagsangebot nutze, bliebe noch ein Minus von 34 000 Fachkräften, heißt es in der Studie.

Expertin Stein von der Bertelsmann-Stiftung forderte eine "langfristig angelegte Fachkräfteoffensive von Bund und Ländern". Für eine bessere und bundeseinheitliche Ausstattung müsse die Politik jetzt gesetzliche Rahmenbedingungen, genügend Ausbildungskapazitäten und Anreize für den Einstieg ins Berufsbild schaffen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusBildung
:Die Berliner Schulen - der neue BER

Weil es in der Hauptstadt nicht genug Schulen gibt, finden Hunderte Kinder keinen Platz an einer Oberschule - und werden irgendwie irgendwo zugeteilt. Mal ist die Schule 30 Kilometer weit weg, mal ist sie englischsprachig. Wie das Chaos Familien zermürbt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB