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Grundgesetz:"Rasse" muss raus

Der Rassenbegriff entstammt einer überkommenen Zeit, er ist Beleg für ein unreflektiertes Denken, die Wissenschaft hat ihn längst abgelegt. Es wird deswegen höchste Zeit, den Begriff Rasse auch aus dem Grundgesetz zu verbannen. Da hat er nichts zu suchen.

Von Constanze von Bullion

Die Grünen wollen das Wort Rasse aus dem Grundgesetz streichen, die Bundesjustizministerin aber winkt ab. Muss nicht sein, findet Christine Lambrecht. Und auch Innenminister Horst Seehofer windet sich. Er sei gern bereit, mal über den Begriff Rasse zu reden. Ihn aus Artikel 3 der Verfassung zu streichen aber, sei doch wohl längst nicht so wichtig wie die Bekämpfung des Rassismus. Das ist eine peinliche Bagatellisierung.

Es hat nichts mit sprachpolizeilichem Übereifer zu tun, sich vom Begriff Rasse zu verabschieden. Menschenrassen gibt es nicht. Eine Aufteilung des humanen Genpools nach klar unterscheidbaren Merkmalen gilt wissenschaftlich längst als unmöglich. 99,9 Prozent der menschlichen DNA ist identisch, Hautfarbe hin oder her. Rassenforschung wiederum war der Versuch, eine behauptete Überlegenheit hellhäutiger Menschen akademisch zu untermauern - und damit Sklaverei, Kolonialismus, Rassenwahn. Er darf als gescheitert betrachtet werden.

Es wird Zeit, dass auch ältere Regierungsmitglieder sich von unreflektierten Rassebegriffen lösen. Hinter ihnen steht eine Hierarchie der Verachtung. Rassismus, dieser hässliche Urahn des Rassedenkens, wird damit noch nicht bezwungen sein. Aber wer ernsthaft vorhat, ihm beizukommen, sollte das Tal der Ahnungslosen verlassen.

© SZ vom 12.06.2020

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