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Grünen-Politiker:Volker Beck: "Wir sind nicht besser oder schlechter als andere"

Volker Beck

Der Grünen-Politiker Volker Beck, 55, ist seit 1994 Mitglied des deutschen Bundestages. Jetzt versucht er nach einem Drogenfund sein Comeback.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Der Grünen-Politiker meldet sich nach seiner Drogenaffäre erstmals öffentlich zurück. Er dankt für Zuspruch, bestreitet, ein Moralist zu sein und äußert sich zum Ansehen von Politikern.

Es ist Volker Becks erstes Interview, nachdem er Anfang März mit Drogen aufgegriffen wurde; angeblich Crystal Meth. Er bleibt religionspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion und will auch wieder Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe werden.

SZ: Herr Beck, wie geht es Ihnen?

Volker Beck: Danke. Es ist gut, nach einer anstrengenden Zeit wieder arbeiten zu können.

Was hat die Pause mit Ihnen gemacht?

Ich werde künftig versuchen, achtsamer mit mir selber umzugehen, mit meiner Gesundheit und den Menschen, die mir etwas bedeuten. Ich habe überraschend starken Zuspruch erfahren und gesehen, welche guten Freundschaften im Laufe des Lebens entstanden sind. Das ist ein Schatz, den ich ins weitere Leben mitnehme.

Im November haben Sie den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden bekommen - vier Monate später mussten Sie sich wegen Drogen-Besitzes rechtfertigen. Was ist passiert?

Ich will dazu öffentlich nichts sagen. Die Sache ist rechtlich geregelt. Das Ermittlungsverfahren gegen mich ist eingestellt worden.

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Gegen Zahlung von 7000 Euro. Sie haben danach Ihr Verhalten öffentlich als Fehler und dumm bewertet. Haben Ihre Wähler kein Anrecht darauf zu wissen, ob Sie Politik mit klarem Kopf machen?

Ich glaube, ich zeige mit meiner tatsächlichen Arbeit, dass ich Politik mit klarem Kopf gestalte.

Politiker stehen unter besonderer Beobachtung. Einverstanden, dass das so ist?

Wir sollten in Politikern keinen säkularen Heiligenersatz sehen. Uns soll man daran messen, ob wir uns nach Wahlen ernsthaft für das einsetzen, was wir vorher versprochen haben. Solange er niemand anderem schadet, geht das Privatleben die Öffentlichkeit nichts an, sondern nur die Menschen, die direkt daran beteiligt sind.

Ist das Private nie politisch?

Das bestimmt man als Politiker selbst. Wer sein Privatleben zu einem Teil seiner PR-Strategie macht, der verschiebt die Linie. Ich kann davon nur abraten. Wir sind nicht besser oder schlechter als andere.

Sie gelten als unerbittlich im Umgang mit politischen Gegnern. Mussten Sie deshalb die viele Häme ertragen?

Ich bin unerbittlich, wenn Menschen andere Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe abwerten, weil sie etwa Juden, Muslime oder Homosexuelle sind. Da darf es keine Kompromisse geben. Es geht mir nicht darum, Leute zu jagen, die so denken, sondern zu widersprechen, wenn das öffentlich wird.