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Grünen-Politiker:Kuhn gewinnt Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart

Er ist der erste grüne Rathauschef in einer Landeshauptstadt: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart liegt der Grüne Fritz Kuhn nach dem vorläufigen Endergebnis vor Sebastian Turner, dem Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager.

Oberbuergermeisterwahl in Stuttgart

Wird voraussichtlich der erste grüne Oberbürgermeister in einer Landehauptstadt: Fritz Kuhn.

(Foto: dapd)

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn ist zum Stuttgarter Oberbürgermeister gewählt worden. Der 57-Jährige erhielt bei der Stichwahl nach dem vorläufigen Endergebnis 52,9 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt der Stadt am Abend bekannt gab. Auf Sebastian Turner, den parteilosen Kandidaten von CDU, FDP und Freien Wählern, kamen 45,3 Prozent der Stimmen.

Bereits im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte Kuhn, der ehemalige Bundesvorsitzende und Bundestagsfraktionschef der Grünen, knapp vor Turner gelegen, damals die absolute Mehrheit aber verfehlt. Im zweiten Wahlgang hätte die einfache Mehrheit für den Sieg gereicht.

Etwa 413.000 Bürger waren aufgerufen, aus insgesamt neun Kandidaten einen Nachfolger für den scheidenden Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,2 Prozent. Seit fast 40 Jahren war der OB-Posten in Stuttgart in der Hand der CDU. Bereits Kuhns langjähriger Weggefährte Rezzo Schlauch kandidierte 1996 für den Posten - und lag damals knapp hinter seinem CDU-Konkurrenten Wolfgang Schuster.

Kuhn sagte nach der Ergebnisverkündung, er wolle ein Oberbürgermeister für ganz Stuttgart sein. "Damit meine ich auch für alle, die nicht zur Wahl gegangen sind und die mich nicht gewählt haben".

Für die Christdemokraten ist das Ergebnis der Stichwahl die zweite herbe Niederlage gegen die Grünen innerhalb von anderthalb Jahren: Im März 2011 wurde Winfried Kretschmann als erster Grüner in Deutschland in ein Ministerpräsidentenamt gewählt. Kretschmann kam am Sonntagabend ins Rathaus, um mit seinem Parteifreund Kuhn auf den Erfolg anzustoßen. "Alles Gute, lieber Fritz, viel Erfolg, gute Nerven, Stehvermögen und viel Kraft" sagte Kretschmann.

Auch mit Kuhn erreichen die Grünen eine Premiere: Er ist der erste grüne Rathauschef in einer Landeshauptstadt. Für ihn ist es gewissermaßen eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor etwa zwölf Jahren ging der 57-Jährige von Stuttgart in die Bundespolitik. Kuhn, der dem Realo-Flügel seiner Partei zugerechnet wird, war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag.

"Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben"

Kuhn gilt zwar als rhetorisch und intellektuell versiert, aber nicht unbedingt als volksnah. Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. "Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben", stand auf einem seiner Plakate. Als OB wolle er sich im Ernstfall auch mit der grün-roten Landesregierung anlegen, um die Interessen der Stadt zu vertreten, hat er angekündigt.

Für die Grünen ist der Sieg nach Einschätzung des Wahlforschers Oscar Gabriel kaum hoch genug zu werten: "Das ist symbolisch von enormer Bedeutung". Aus diesem Erfolg könne die Partei nun sowohl im Land als auch auf Bundesebene Profit schlagen. Allerdings müsse Kuhn seiner Sonderrolle gerecht werden. Alles hänge davon ab, ob er die durch den Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 gespaltene Stadt versöhnen und auf die CDU zugehen könne.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin: "Ein grüner Ministerpräsident, eine grüner Oberbürgermeister - Baden-Württemberg ist nach langen, langen Jahren durch CDU-Regierungen so stark, dass wir das aushalten können."