Grünen-Parteitag Zoff um einen Lichtgott

Überhaupt scheint Fell die USA als neues Vorbild endeckt zu haben. Sein Konzept nennt er "Apollo-Energie-Politik", angelehnt nicht nur an den römischen Gott des Lichts, sondern vor allem an das Mondflugprogramm der USA. Und weil das damals die Menschheit begeistert hat, soll heute seine "Apollo-Energie-Politik" wenigstens noch die Deutschen bewegen.

Wem das zu groß klingt, für den hat Renate Künast noch eine Steigerung parat: "Wir wollen nicht einen Mann zu Mond schicken. Wir wollen die Sonne auf die Erde holen", sagt sie. Allerdings: Weil das ja nun doch eine ziemlich große Aufgabe sei, sei sie nun gerade nicht dafür, sich auf einen genauen Zeitpunkt festzulegen.

Je länger die Debatte dauert, desto absurder wird sie. Alle unterstützen das Ziel der 100 Prozent. Aber die Grünen streiten leidenschaftlich, wann die Grünen das zu erreichen haben. Es gab schon mal tiefere Debatten auf Grünen-Parteitagen.

Knapp bevor sich die Grünen blamieren können, kommt als letzter Redner Jürgen Trittin zu Wort. Er nimmt Fells Apollo-Vision auf Al-Gore-Basis auseinander. Er habe sich mal durchgeklickt im Internet und sei auf die Szenarien gestoßen, die Gores Zehn-Jahres-Vision zugrunde liegen. Ergebnis: Das gehe nur mit einem 17-Prozent-Anteil nuklearer Energie. Umgerechnet 100 Atomkraftwerke in den USA.

Trittin: "Dieses Apollo-Programm, das ist keine Vision, das ist ein Albtraum." Der Applaus zeigt: Jürgen Trittin hat mit seinem drei Minuten-Beitrag soeben die Stimmung gedreht. Eine große Mehrheit folgt ihm Minuten später.

Die Fellschen Jahreszahlen stehen dennoch im neuen Beschluss. Nur "weichgespült", wie eine Delegierte süffisant bemerkt. Der Kompromiss: Spätestens 2050 müssten 100 Prozent erneuerbare Energien erreicht werden. Bis 2030 aber soll "angestrebt" werden, allen Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, bis 2040 alle Energien.

Es lag also an einem Wort. Eine dreistündige, zeitweise hitzige Debatte, mit einem Wort beendet: "Angestrebt". Da kann jetzt auch Noch-Parteichef Reinhard Bütikofer unbesorgt seinen Platz im Europaparlament anstreben. Trittin sei Dank.