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Grüne:Ohne Wahl keine Qual

Die Basis wählt nicht den Kanzlerkandidaten. Einigkeit geht vor.

Von Jan Bielicki

Basisdemokratisch hieß eines der vier Schlagworte, mit denen die Grünen antraten, die Republik zu verändern. Lang ist's her. Inzwischen öffnen auch andere Parteien bisweilen die Türen zu den Hinterzimmern der Macht und beteiligen die eigene Basis an wichtigen Personalentscheidungen.

Ausgerechnet die Grünen wollen nun auf eine Urabstimmung verzichten, ausgerechnet bei der Frage, wer als erste Kanzlerkandidatin oder erster Kanzlerkandidat der Partei in einen Wahlkampf zieht. In der Führung scheint die Lust an einer Urwahl jedenfalls gering zu sein; und auch wenn genügend große Teile der Basis sie laut Satzung erzwingen können, spricht vieles dafür, dass die beiden Parteichefs unter sich ausschnapsen, wer von ihnen es macht.

Offen ausgetragene Konkurrenz kann beleben, Konkurrenten aber auch beschädigen - und damit Wahlchancen. Die SPD stellt einen Spitzenkandidaten auf, den die Basis als Parteichef mehrheitlich nicht wollte. In der CDU trägt ein zäher Dreikampf um Delegiertenstimmen wenig dazu bei, die Attraktivität der Kandidaten zu fördern. Vor allem aber lebt eine Wahl von der Auswahl. Mag aber Annalena Baerbock nicht gegen Robert Habeck oder Habeck nicht gegen Baerbock antreten, dann wird die Urwahl zur Akklamation - und somit weder basis- noch sonst wie demokratisch.

© SZ vom 24.08.2020

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