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Grüne:Disziplin statt Esprit

Die Fraktion geht bei der Wahl ihrer neuen Chefs auf Nummer sicher.

Na dann lieber doch nicht. Bei den Grünen ist die Revolution ausgeblieben. Bloß keine Experimente - das ist ihr Leitspruch in diesen Tagen, und das erinnert an biedere Wahlkämpfe der CDU aus dem vergangenen Jahrhundert. Nichts hat die Fraktion bei der Wahl ihrer Vorsitzenden am Ende mehr angetrieben als die Sorge, ein Sieg der Herausforderer könnte die große grüne Welle gefährden.

Für Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter ist das Beruhigung und Sicherheit in heiklen Zeiten. Und es ist der Lohn dafür, dass sie die Fraktion in den vergangenen zwei Jahren nicht nach vorne geschoben, sondern der Partei den Vortritt gelassen haben. Nicht Esprit war wichtig, Disziplin war entscheidend. Für die Grünen früherer Tage wäre das eine echte Sensation gewesen.

Für Cem Özdemir freilich könnte es der letzte Versuch gewesen sein, noch mal in die erste Reihe vorzustoßen. Seine Mitstreiterin Kirsten Kappert-Gonther muss keine größeren Folgen befürchten. Özdemirs Perspektiven dagegen sind mit dieser Abstimmung schlechter geworden. Es hat sich ein Prinzip durchgesetzt, das man aus der Fußballnationalmannschaft kennt: Das Kollektiv ist wichtiger als die individuelle Stärke der Spieler. Wo das endet? 2014 beim Weltmeistertitel - und 2018 beim größten Absturz der jüngeren Fußballgeschichte.