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Habeck und Baerbock:Die Scheu vor der finalen Machtfrage

Gremiensitzungen - Bündnis 90/Die Grünen

Annalena Baerbock und Robert Habeck bei der Parteitratssitzung der Grünen.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)
  • Ob bei den persönlichen Zahlen für Robert Habeck oder jenen für die Partei - beinahe durchgängig liegen er und seine Grünen an der Spitze.
  • Und doch trat Habeck am Montag erneut allen Spekulationen entgegen, seine Partei denke schon ans Kanzleramt.
  • Im "ZDF-Morgenmagazin" sagte Habeck, seine Partei werde auch bei vorgezogenen Neuwahlen mit einer Doppelspitze in den Kampf ziehen.

Je besser die Umfragen, desto lauter die Frage: Wann benennen die Grünen eigentlich ihren Kanzlerkandidaten? Respektive ihre Kandidatin? Doch was die einen interessiert, weil sie immer noch weiter vorausschauen möchten, verursacht dem grünen Spitzenduo Annalena Baerbock und Robert Habeck immer größere Schmerzen. Ihr Erfolg nährt sich nach eigener Analyse auch daraus, dass sie die früher stets virulenten Personaldebatten und Machtfragen auf Eis legen konnten. Entsprechend entschlossen versuchen sie in diesen Tagen, alles zu unterbinden, was den Frieden gefährden könnte.

Daran werden bis auf Weiteres auch die historisch besten Umfragewerte wenig ändern. Ob bei den persönlichen Zahlen für Habeck oder jenen für die Partei - beinahe durchgängig liegen er und seine Grünen an der Spitze. Und doch trat Habeck am Montag erneut allen Spekulationen entgegen, seine Partei denke schon ans Kanzleramt und also an die Frage, wer dereinst dort einziehen könnte. Im "ZDF-Morgenmagazin" sagte Habeck, seine Partei werde auch bei vorgezogenen Neuwahlen mit einer Doppelspitze in den Kampf ziehen. "Geteilte Macht ist doppelte Stärke", betonte der Co-Vorsitzende. "So agieren wir, und so werden wir es weiter tun, auf jeden Fall." Die Doppelspitze habe sich als richtiges Modell erwiesen. "Ein neues Verständnis von Macht bedeutet, im Team zu sein", so der Parteichef.

Doch so entschieden und unverrückbar der 49-Jährige fürs Erste alle Debatten um einen grünen Kanzler von sich weist - so sehr ahnt die Grünen-Spitze, dass diese Art der Antwort irgendwann nicht mehr ausreichen könnte. Noch nämlich ist niemand "im Team" ins Kanzleramt eingezogen; noch gibt es in Deutschland nicht die sogenannte israelische Lösung, bei der sich zwei Kandidaten in der Mitte der Legislatur einfach mal ablösen.

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Bei aller Scheu vor der finalen Machtfrage wissen Baerbock und Habeck ganz genau, dass spätestens unmittelbar vor der nächsten Wahl viele Wähler plötzlich fragen werden, wen sie nun ins Kanzleramt schicken, wenn sie den Grünen ihre Stimme geben. Habeck deutete das am Montag selbst an. Er räumte ein, dass es vor einer Wahl wichtig sei, "rechtzeitig mit der Partei Klarheit" zu schaffen. An dem Punkt aber sei man ja noch nicht, so der Grüne. Was genau er mit "rechtzeitig" meinte, ließ er freilich offen. Nichts und niemand soll die nach vielen Jahren der Unruhe stabil gewordene Doppelspitze in Gefahr bringen.

Die Partei versucht gerade alles, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen

In der Partei kann man derweil vor allem eines beobachten: dass die allermeisten der Linie folgen. So ließ Jürgen Trittin aus Moskau wissen, diese Frage werde man erst dann klären, wenn sie "wirklich ansteht". Die beiden Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt ließen erklären, dass sie sich an so einer Debatte sicher nicht beteiligen würden. Der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour betonte von Peking aus, die Partei habe es noch immer geschafft, die Besten ganz nach vorne zu stellen. Und seine Kollegin Franziska Brantner betonte, die anderen Parteien würden schon genügend übers Personal reden.

Und so versuchen die Grünen alles, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, wohl wissend, dass sie der Frage, die sie nicht anfassen möchten, mit jedem guten Wert bei Umfragen immer näher kommen. Eines freilich werden sie selbst mit einem Kanzlerkandidaten nicht machen: in ein Fernsehduell gehen, bei dem die meisten anderen Parteien ausgeschlossen bleiben. Dieses "Privileg" von Kanzlerkandidaten haben sie in der Vergangenheit viel zu sehr bekämpft, als dass sie es plötzlich für sich selbst nutzen könnten.

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