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Mediale Botschaften:So inszenieren die Gegner den G-7-Gipfel

Activists of Oxfam wearing traditional Bavarian clothing and masks depicting leaders of member countries of G7 protest in Garmisch-Partenkirchen

So macht die Organisation Oxfam die Fotografen froh.

(Foto: REUTERS)
  • Nichtregierungsorganisationen und Globalisierungskritiker nutzen den G-7-Gipfel, um auf Missstände hinzuweisen.
  • Über die Medien versuchen sie, ihre Botschaften zu verbreiten.
  • Die Welthungerhilfe engagierte für ihre Proteste bezahlte Schauspieler.

Von Michael Bauchmüller

Die Köpfe sind schon wieder aufgeblasen, jetzt schweben sie über einem Supermarkt-Parkplatz, nicht weit vom Pressezentrum entfernt: Merkel, Hollande, Obama, alle kugelrund und eigenartig verzerrt. Daneben stehen Jugendliche, sie rufen: "G 7, wir wollen mehr als heiße Luft." Kameras sind auch da, die Leute von "One" sind zufrieden.

Schlappe 20 000 Euro hat sich die Entwicklungshilfe-Lobby den Spaß kosten lassen, sie haben sich schon jetzt rentiert: in Form von Bildern in Zeitungen und Fernsehnachrichten. "Natürlich ist das auch eine Inszenierung", sagt Tobias Kahler, der Deutschland-Chef der amerikanischen Organisation.

So wie vom Schloss möglichst einträchtige Bilder der Mächtigen ausgehen sollen, so produzieren auch andere Bilder für ihre Anliegen, die Bühne ist groß genug. "Der Gipfel ist eine Ritual auf beiden Seiten", sagt Kahler. "Entscheidend ist, dass unsere Botschaft auch in Elmau ankommt." Sie heißt, kurz gesagt: mehr Geld von den Reichen für die Ärmsten. Die Aktion diene letztlich denen, die es nie ins Rampenlicht schaffen. Wenn es an einem keinen Mangel gibt, in und um Elmau, dann ist es das: Rampenlicht.

Der Gipfel als Werkzeug für Botschaften

Viele wollen das nutzen für Botschaften aller Art. Die Kinderorganisation World Vision warnt davor, sich zu sehr auf die Folgen der Ebola-Epidemie zu konzentrieren - und darüber Krankheiten wie Malaria, Durchfall oder Lungenentzündung zu vergessen. "Jeden Tag sterben 17 000 Kinder unter fünf Jahren an solchen vermeidbaren Krankheiten", sagt Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision in Deutschland. "Bei der G 7 droht das unterzugehen." Für ausländische Journalisten sitzen im Pressezentrum deshalb auch World-Vision-Abgesandte aus den anderen G-7-Staaten, sie verbreiten die Botschaft in allen Sprachen.

Entscheidend aber sind die Bilder, ob am Schloss oder beim Pressezentrum. Damit möglichst viele die Ebola-Botschaft sehen, haben etwa die World-Vision-Leute ein Transparent mit einem Schiff gebastelt, das auf einen Eisberg namens Ebola zudriftet. Die wahren Krankheiten, so die Botschaft, verbergen sich unter der Wasseroberfläche. Und weil das ganze ja auch die G 7 betrifft, haben sich sieben von ihnen als Kapitäne verkleidet, mit den Gesichtern der sieben Staatsgäste von Elmau. Damit nicht genug, tragen die Kapitäne auch noch Rettungsringe. "Moskitonetze", "Hebammen", "Impfungen" steht darauf. Vorsichtshalber hat die Organisation von der Aktion auch selber Fotos gemacht, die sie bereitwillig hergibt. "Natürlich nutzen wir diese Bühne", sagt Waffenschmidt. "Nur so können wir Druck entfalten." Mit der Kraft der Bilder.

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