GroßbritannienMay versucht ihre Tories einzuschwören

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Zum Konservativen-Parteitag ruft die Premierministerin auf, ihrer Brexit-Linie zu folgen. Ihre Gegner aber teilen hart gegen sie aus.

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Zum Auftakt des viertägigen Parteitags der britischen Konservativen hat Parteichefin und Premierministerin Theresa May zur Geschlossenheit beim Brexit-Kurs aufgerufen. "Meine Botschaft an meine Partei ist, lasst uns zusammenkommen und das beste Abkommen für Großbritannien erzielen", sagte May am Sonntag dem Sender BBC in Birmingham. Kritikern entgegnete sie, deren Wunsch nach freiem Handel sei Herzstück ihrer Brexit-Vorschläge. Sechs Monate vor dem geplanten EU-Austritt stehen sich Mays Lager und innerparteilichen Kritiker unversöhnlich gegenüber.

So attackierten zwei frühere Minister erneut den Kurs der Parteichefin als weich. Ex-Außenminister Boris Johnson, der am Freitag einen eigenen Plan für den Brexit vorgelegt hatte, nannte Mays Pläne "gestört". Was zurzeit passiere, sei nicht das, was den Menschen versprochen worden sei, sagte Johnson in der Sunday Times. Mehrere Parteimitglieder sahen das Interview als Start einer Kampagne, um May abzulösen. Auch der frühere Brexit-Minister David Davis nannte Mays Pläne "einfach falsch". Doch bezifferte er die Wahrscheinlichkeit, dass London mit der EU ein Abkommen erziele, mit 80 bis 90 Prozent.

Einer Forschergruppe zufolge kostet die Entscheidung zum EU-Austritt das Land jede Woche 500 Millionen Pfund (rund 560 Millionen Euro). Damit würden die Einsparungen durch künftig wegfallende Zahlungen an die EU zurzeit zunichtegemacht. Die britische Wirtschaftskraft sei durch die Abstimmung für den Brexit im Juni 2016 etwa um 2,5 Prozent gesunken, teilte das Zentrum für Europäische Reformen am Sonntag mit.

Die Tories sind wegen des Brexit tief gespalten. May wird auf dem bis 3. Oktober angesetzten Parteitag in Birmingham versuchen, die Partei auf ihre Linie einzuschwören. Doch ihre Chancen stehen schlecht. Mehrere ihrer Gegner erklärten ihre Unterstützung für den Alternativplan Johnsons, der im Juli aus Protest gegen Mays Brexit-Vorschläge als Außenminister zurücktrat. Auch bei den 27 EU-Partnern und der EU-Kommission stoßen Mays Pläne auf Ablehnung, daher stocken die Verhandlungen über einen Brexit-Vertrag. Ohne droht ein ungeregelter Abschied mit politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen.

© SZ vom 01.10.2018 / Reuters - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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