Großbritannien May tritt zurück - und bleibt im Amt

Theresa May ist seit drei Jahren Premierministerin.

(Foto: AP)

Britische Konservative wollen bis zum 22. Juli einen neuen Parteichef und Premier finden.

Von Björn Finke, London

Die britische Premierministerin Theresa May ist am Freitag als Vorsitzende der regierenden Konservativen zurückgetreten. Diesen Schritt hatte sie bereits vor zwei Wochen angekündigt. Fraktion und Parteimitglieder bestimmen nun in einem mehrwöchigen Verfahren ihren Nachfolger, der zugleich neuer Regierungschef wird. Der Sieger könnte am 22. Juli ausgerufen werden. Bis dahin führt May die Partei übergangsweise weiter und bleibt auch Premierministerin.

Interessenten können ihre Bewerbung bis Montag, 18 Uhr deutscher Zeit, einreichen. Bisher haben elf Abgeordnete ihre Kandidatur erklärt. Als Favorit gilt der frühere Außenminister Boris Johnson, das Gesicht der Brexit-Kampagne beim EU-Referendum. Die Fraktion wird das Bewerberfeld mit einer Reihe von Voten ausdünnen: Nach jeder Abstimmung scheiden die Kandidaten mit der geringsten Unterstützung aus. Das erste Votum soll am kommenden Donnerstag stattfinden, am Donnerstag darauf, am 20. Juni, soll feststehen, welche zwei Politiker das meiste Vertrauen in der Fraktion genießen.

Dieses Duo wird sich vom 22. Juni an auf Veranstaltungen im ganzen Land der Parteibasis vorstellen. Die 160 000 Mitglieder - deren Zahl stieg kräftig in den vergangenen Wochen - entscheiden per Briefwahl. Der Sieger könnte am 22. Juli präsentiert werden, kurz vor der Sommerpause des Parlaments. Anfang September kehren die Abgeordneten zurück.

Nach bisheriger Planung verlassen die Briten die EU am 31. Oktober. Die meisten Kandidaten versprechen, das ungeliebte Austrittsabkommen mit Brüssel neu zu verhandeln. Doch die Zeit dafür ist knapp, und die EU lehnt Änderungen bislang ohnehin ab. May scheiterte dreimal daran, den Vertrag, der die Bedingungen der Scheidung regelt, durchs Parlament zu bekommen. Diese Niederlagen führten letztlich zu ihrem Rücktritt. Bei einem Brexit ohne gültigen Vertrag würden sofort Zölle und Zollkontrollen eingeführt.

Am Freitag wurde auch das Ergebnis der Nachwahl im englischen Peterborough ausgezählt. Nigel Farages neu gegründete Brexit Party verpasste knapp ihren ersten Sitz im britischen Parlament: Der Kandidat von Labour lag mit weniger als 700 Stimmen vorn. Bei den Wahlen zum EU-Parlament im Mai war die Brexit Party stärkste Kraft im Königreich geworden.