GroßbritannienDer Mann, der den Kopf hinhält

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Wer wusste von Verbindungen des britischen US-Botschafters Mandelson mit dem Sexualstraftäter Epstein? Morgan McSweeney vor dem Untersuchungsausschuss in London.
Wer wusste von Verbindungen des britischen US-Botschafters Mandelson mit dem Sexualstraftäter Epstein? Morgan McSweeney vor dem Untersuchungsausschuss in London. BEN STANSALL/PRU/AFP
  • Morgan McSweeney, ehemaliger Stabschef von Keir Starmer, sagte am Dienstagmittag vor dem außenpolitischen Untersuchungsausschuss zum Mandelson-Skandal aus.
  • McSweeney empfahl Starmer Peter Mandelson als Botschafter, obwohl dieser den Sicherheitscheck nicht bestanden hatte - davon will McSweeney nichts gewusst haben.
  • Nach Mandelsons Rücktritt wegen seiner Verbindungen zu Jeffrey Epstein trat auch McSweeney im Februar zurück und übernahm die volle Verantwortung.
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Wegen seiner Rolle im Mandelson-Skandal trat Morgan McSweeney   als Stabschef des britischen Premiers zurück. Nun sagt er erneut dazu aus. Verteidigt sich der Stratege – oder zieht er Keir Starmer mit in den Abgrund?

Von Martin Wittmann, London

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Wie konnte es passieren, dass ein denkbar berüchtigter Politiker zum britischen Botschafter in Washington ernannt wurde, obwohl er den obligatorischen Sicherheitscheck nicht bestanden hatte? Wer entschied, diese denkbar wichtige Information der Prüfer für sich zu behalten oder zu ignorieren? Und ist es nicht denkbar undenkbar, dass der Premierminister darüber uninformiert blieb?

Diese Art von Fragen hat derzeit der reguläre außenpolitische Untersuchungsausschuss zu klären. Am Dienstagmittag gab der ehemalige Stabschef des Premierministers, Morgan McSweeney, dazu Auskunft. Seiner Befragung wurde im politischen London seit Tagen entgegengefiebert. Dem Strategen, der als scheu, loyal und auch intrigant gilt, wird bei der Aufarbeitung des Skandals um die Entsendung Peter Mandelsons in die USA eine entscheidende Rolle zugeschrieben.

McSweeney, vor einigen Tagen 49 geworden, hat in den vergangenen Jahren politisch Erstaunliches geleistet, und dies stets aus dem Hintergrund heraus. Als Kampagnenchef hatte er erheblichen Anteil am Wahlerfolg Keir Starmers, dessen Labour-Partei Mitte 2024 nach 14 Jahren in der Opposition wieder an die Macht kam. McSweeney ist auf den meisten Bildern von damals nur in Teilen zu sehen, verdeckt vom neuen Premierminister. Im Winter 2024 empfahl er, mittlerweile als Stabschef, Starmer den damals 71 Jahre alten  Mandelson als neuen britischen Botschafter in Washington. Heute, eineinhalb Jahre später, ist nicht gänzlich ausgeschlossen, dass diese Entscheidung den Premierminister seine Macht wieder kosten könnte.

Dass der Kandidat die Sicherheitsprüfung nicht bestand, will er nicht gewusst haben

Die Regierung hielt die Personalie damals für einen Coup – der erfahrene, gerissene Mandelson würde sich in diesen diplomatisch heiklen Zeiten am besten mit US-Präsident Donald Trump zu verstehen wissen. Für Kritiker glich sie einer Katastrophe mit Ansage – Mandelson hatte schon zwei Mal von Ämtern zurücktreten müssen und trug seit geraumer Zeit den Spitznamen „Prinz der Dunkelheit“. Die Skeptiker sollten recht behalten. Im Herbst 2025 zeigte sich, dass Mandelson einst enger mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verbandelt war als von ihm zugegeben. Erst musste Mandelson zurücktreten, im Februar dann auch McSweeney, der die volle Verantwortung für die Personalentscheidung übernahm – und seinen Chef damit vor noch größerem Ärger zu bewahren versuchte. Um den Mann im Vordergrund zu schützen, verschwand der Mann im Hintergrund komplett aus dem Bild.

Am Dienstagmittag nun stand McSweeney ausnahmsweise selbst im Fokus. Bei der Sitzung des regulären außenpolitischen Untersuchungsausschusses, übertragen in der BBC, betonte er abermals, dass er sich in der Einschätzung Mandelsons massiv geirrt habe. Dass er in der Folge Starmer falsch beraten habe. Er stritt jedoch ab, dass Mandelson sein Mentor oder gar sein Held gewesen sei.

McSweeney will nichts davon gewusst haben, dass der Kandidat den Sicherheitscheck – aus immer noch nicht öffentlich kommunizierten Gründen – nicht bestanden hatte. Er habe auch nicht nachgefragt, schließlich sei er davon ausgegangen, dass ihm so eine wichtige Information sicher zugetragen würde. Der Druck, den er auf die prüfenden Beamten ausgeübt habe, sei nicht über das übliche Maß hinausgegangen - unter Druck stehe in diesen schwierigen Zeiten schließlich jeder.

Den Premier zumindest dürfte McSweeney damit nicht noch weiter unter Druck setzen. Vorbei ist die Affäre für Starmer aber noch nicht –  während der Befragung seines ehemaligen Mitarbeiters fand im Unterhaus eine Debatte darüber statt, ob ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss die Rolle Starmers in der Angelegenheit beleuchten soll.

Morgan McSweeney, der mit der Labour-Abgeordneten Imogen Walker verheiratet ist, hat derzeit keinen Job. Allerdings wurde er Mitte April bei einer ukrainischen Sicherheitskonferenz gesehen. Seine Teilnahme löste Spekulationen aus, er nehme eine neue Aufgabe in den Blick – als Berater von Amtsinhaber Wolodimir Selenskij bei der nächsten Präsidentenwahl.

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