GroßbritannienSchwere Verluste für Labour bei britischen Kommunalwahlen

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Der britische Premierminister Keir Starmer und seine Ehefrau Victoria Starmer kurz vor der Abgabe ihrer Stimmen in London.
Der britische Premierminister Keir Starmer und seine Ehefrau Victoria Starmer kurz vor der Abgabe ihrer Stimmen in London. Justin Tallis/AFP

Bei den Wahlen räumt die Partei Reform UK von Brexit-Vorkämpfer Farage ab. Für die regierende Labour-Partei von Premier Starmer zeichnet sich ein desaströses Ergebnis ab – Rücktrittsforderungen weist er aber zurück.

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Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien hat die regierende Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer schwere Verluste erlitten. Die populistische Anti-Einwanderungs-Partei Reform UK von Nigel Farage profitierte am stärksten.

Nach Auszählung von 43 Bezirken in England verzeichnete Reform UK mehr als 350 gewonnene Mandate in kommunalen Gremien. Die Sozialdemokraten von Labour verloren mehr als 250 Sitze. Auch die oppositionellen Konservativen büßten etwa 146 Mandate ein. In Newcastle-under-Lyme in den Midlands errang Reform UK die absolute Mehrheit in einem Bezirksrat.

Labour verlor in traditionellen Hochburgen in ⁠Mittel- und Nordengland sowie in Teilen Londons massiv an Zustimmung. Dies erhöht den Druck auf Starmer zwei Jahre nach seinem erdrutschartigen Wahlsieg.

In einigen Regionen ging Labour komplett leer aus. So verlor die Partei in ‌Tameside im Großraum Manchester erstmals seit fast 50 ‌Jahren die Kontrolle über den Stadtrat, nachdem Reform UK alle 14 zur Wahl stehenden Sitze erobert hatte. Zudem musste Labour in der ehemaligen Bergbaustadt Wigan 20 Mandate an die Partei von Farage abgeben. Der britische Premier sagte in einer ersten Reaktion, er übernehme die Verantwortung für die „harten Ergebnisse“. Er fügte jedoch hinzu: „Tage wie diese ändern nichts an meiner Entschlossenheit, den Wandel herbeizuführen, den ich versprochen habe.“ Dem Nachrichtensender Sky News sagte er: „Ich werde nicht davonlaufen und das Land ins Chaos stürzen.“ Er sei aber im Juli 2024 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt worden und habe die Absicht, das durchzuziehen. Er wolle seine Partei in die nächste Parlamentswahl führen.

Starmer war 2024 mit dem Versprechen angetreten, nach Jahren des politischen Chaos für Stabilität zu sorgen. Seine bisherige Amtszeit war ‌jedoch von zahlreichen Kurswechseln und Skandalen geprägt, darunter die Entlassung des britischen US-Botschafters Peter Mandelson wegen dessen Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Farage erklärte, das bisherige Abschneiden seiner Partei bei den Wahlen übertreffe seine Erwartungen bei Weitem und stelle einen historischen Wandel in der britischen Politik dar. Angesichts starker Zugewinne seiner Partei in früheren Labour-Hochburgen sei die traditionelle Unterscheidung zwischen rechts und links obsolet, sagte Farage laut der Nachrichtenagentur PA. Analysten zufolge ‌zeigen die Wahlen, dass sich das traditionelle Zweiparteiensystem zunehmend in eine Mehrparteiendemokratie aufspaltet.

Die Wahlen von mehr als 136 ‌Kommunalvertretungen in England sowie der Regionalparlamente ‌in Schottland und Wales gelten als wichtigster Stimmungstest vor der nächsten regulären Parlamentswahl im Jahr 2029.

Sollte Labour in Schottland und Wales ebenfalls schlecht abschneiden, rechnen Parteikreise damit, dass die Forderungen nach einem Rücktritt Starmers lauter ⁠werden. Energieminister Ed Miliband wies am Donnerstag jedoch einen Zeitungsbericht ‌zurück, wonach er ‌dem Premierminister geraten habe, einen Zeitplan für seinen Abgang vorzulegen.

© SZ/Reuters/dpa/berj - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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SZ PlusVon Michael Neudecker

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