Boris Johnson, der britische Außenminister, hat es mal wieder allen gezeigt: allen voran dem "Beast from the East", wie die Kältefront aus Osteuropa in Großbritannien genannt wird. Er ging nämlich am Mittwochmorgen, bewundert von frierenden Journalisten, im Londoner Schnee joggen. Außerdem hat er den Iren gezeigt, wo es langgeht, als er im Radio die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland mit dem Übergang zwischen zwei Londoner Stadtbezirken verglich. Eine läppische Sache also, leicht zu handhaben, weshalb das ganze Theater um die Vermeidung einer harten Grenze auf der irischen Insel überflüssig sei - und das Problem von einem wie ihm, dem ehemaligen Londoner Bürgermeister, easy gemanagt werden würde. Wenn man ihn nur ließe.
Die irische Frage ist derzeit ziemlich sensibel, weil daran der Deal mit Brüssel scheitern könnte. Weshalb es den Außenminister braucht, um die Sache ein bisschen anzuschieben. Findet jedenfalls Boris Johnson. Deshalb hat er auch gleich noch Theresa May und den Tories ein paar Tipps gegeben: In einem Brief an die Regierungschefin, der an "Sky News" durchgestochen wurde, räumte er seine bisherige Position zu Irland mal eben beiseite. Bisher hatte er eine harte Grenze auf der Insel hundertprozentig abgelehnt, wie es auch Regierungslinie ist. Eine harte, sicht- und spürbare Grenze, befürchten alle Beteiligten, könnte das Karfreitagsabkommen gefährden und die Spannungen auf der Insel erhöhen, ganz abgesehen von den lästigen und teuren Staus an einer neuen Zollgrenze.
Johnson schrieb nun: "Selbst wenn es wieder eine harte Grenze geben würde, ist zu erwarten, dass 95 Prozent aller Güter diese Grenze ohne Kontrollen passieren würden." Viel Lärm um nichts, also, um mit Shakespeare zu sprechen, weshalb sich May in den Augen Johnsons nicht in einen Detailstreit drängen lassen dürfe, der von den Brexit-Gegnern nur betrieben werde, um die ganze Sache scheitern zu sehen. Wie genau aber Johnsons Lösung aussähe - dazu sagt er wieder mal nichts.