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Großbritannien:Ex-Premier Heath des Kindesmissbrauchs verdächtigt

FILE: Edward Heath Allegations To Be Investigated

Edward Heath im Jahr 1981: Der frühere konservative Premierminister starb vor zehn Jahren.

(Foto: Keystone)

Scotland Yard ermittelt gegen den früheren britischen Regierungschef Edward Heath. Er soll in Kindesmissbrauchsfälle verwickelt gewesen sein.

Gerüchte über seine sexuellen Vorlieben haben seine ganze politische Karriere begleitet. Allerdings ging es da immer nur um die Frage, ob Edward Heath, britischer Premierminister von 1970 bis 1974, ein verkappter Homosexueller sei. Doch nun, zehn Jahre nach dem Tod des Konservativen, ermittelt die Polizei wegen Kindesmissbrauchs gegen Heath. Ein Team von Scotland Yard prüft in Zusammenarbeit mit der Polizei in der englischen Grafschaft Wiltshire entsprechende Vorwürfe. Auch andere Ermittler-Gruppen gehen dem schlimmen Verdacht nach.

Der Ex-Premier ist bisher der hochrangigste britische Prominente, dem Missbrauchsvorwürfe gemacht werden. Im Jahr 2012 kam heraus, dass sich der ein Jahr zuvor verstorbene BBC-Starmoderator Jimmy Savile über Jahrzehnte hinweg ungehindert an Hunderten Opfern vergangen hatte. Daraufhin begann die Polizei Untersuchungen, ob früher im großen Stil Missbrauch vertuscht worden war. Im Mai berichteten die Beamten, bei diesen Ermittlungen historischer Fälle gebe es 1433 Verdächtige - 261 von ihnen Prominente.

Die Behörden appellieren an mögliche Opfer, sich zu melden

Heath hatte lange in der Stadt Salisbury in Wiltshire gelebt. Die dortige Polizei hatte am Montag mögliche Opfer aufgerufen, sich zu melden. Am Dienstag teilten die Beamten mit, es seien "eine Reihe von Anrufen" eingegangen. Den Appell vom Vortag hatte die Behörde IPCC angestoßen, die sich um Beschwerden gegen Polizisten kümmert.

Ein pensionierter Polizist hatte ausgesagt, in den Neunzigerjahren sei in Wiltshire ein Ermittlungsverfahren gestoppt worden, nachdem eine der Verdächtigen - eine Bordellbesitzerin - gedroht hatte, andernfalls Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Heath publik zu machen. Die Frau habe nicht behauptet, selbst Opfer zu sein, soll aber Opfer gekannt haben, heißt es. Die abgeblasene Ermittlung hatte nichts mit Kindesmissbrauch zu tun.

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