bedeckt München 26°

Großbritannien:Der Labour-Chef ätzt gegen Camerons "ziemlich viele Kumpel"

Dazu kommen Berater, Mitarbeiter und drei Mitglieder seines Kabinetts, die im Vorfeld des EU-Referendums an seiner Seite standen - aber unter der neuen Premierministerin Theresa May nichts mehr wurden. Der Prominenteste unter ihnen ist Ex-Finanzminister George Osborne, einer der engsten politischen Freunde Camerons.

Das alles hat mehr Geschmäckle, als den titelverliebten Briten recht sein kann. Von Vetternwirtschaft wird gesprochen. Dabei hatte Cameron zu Beginn seiner Amtszeit versprochen, mit genau diesem Politikstil zu brechen. Der britische Guardian hat allerdings herausgefunden, dass er damit nicht einmal angefangen hat. Cameron hat in seiner Amtszeit 13 Großspender zu Peers ernennen lassen. Das sind Lords mit einem Sitz im Oberhaus.

In Großbritannien ist über die Cameron-Buddy-Liste ein heftiger Streit entbrannt. Labour-Chef Jeremy Corbyn scherzte, Cameron scheine "ziemlich viele Kumpels" gefunden zu haben, die er belohnen wolle. Corbyn will das komplexe System der Ehrenauszeichnungen jetzt reformieren. Aktive Politiker sollen gar nicht mehr ausgezeichnet werden. "Ein politisches Amt zu haben, in ein Parlament gewählt zu sein, das ist schon Ehre genug."

Selbst konservative Parlamentarier halten Camerons Liste für überzogen. Die Abgeordnete Tania Mathias etwa sagt: "Wenn mich jetzt Freunde fragen, warum jemand eigentlich einen Orden bekommt, dann werde ich nervös. Normalerweise sollte niemand nach dem Warum fragen müssen. Sondern nur sagen: 'Wow, wie wunderbar, der hat es verdient.'"

Großbritannien

Familie Cameron sagt Goodbye

Premierministerin Theresa May will sich in die Sache nicht einmischen. Sie wird Camerons Liste ohne jede Anmerkung an die Queen weiterleiten. Ansonsten würde sie einen unangemessenen Präzedenzfall schaffen, ließ sie mitteilen.

Den schaffen gerade andere in einem ganz ähnlichen Fall. Als eine Art letzte Amtshandlung hat Cameron auch eine Liste mit neuen Peers aufgesetzt, also Neu-Mitgliedern für das House of Lords. Die zuständige Parlamentskommission hat die komplette Liste vorerst geblockt, weil ihr ein Name auf der Liste sauer aufgestoßen ist.

May muss entscheiden

Es handelt sich um den Geschäftsmann Michael Spencer. Der frühere Schatzmeister der Tories soll der Partei 70 Millionen Pfund beschafft und vier Millionen Pfund aus seiner eigenen Kasse gespendet haben. Vor allem aber soll Spencer 2013 mit seiner Firma ICap in einen großen Banken-Skandal verwickelt gewesen sein, an dessen Ende das Unternehmen 55 Millionen Pfund Strafe zahlen musste.

In diesem Fall wird May um eine Entscheidung kaum herumkommen. Überstimmt sie die Kommissionen und reicht die Liste ohne Beanstandungen an die Queen weiter? Oder streicht sie Spencer von der Liste und legt sich mit dem einflussreichen Cameron-Lager an? Keine dankbare Aufgabe, die ihr Cameron da eingebrockt hat.

Theresa May May baut ihr Kabinett komplett um
Großbritannien

May baut ihr Kabinett komplett um

Unter den zahlreichen Ministern, die entlassen werden, ist auch der Justizminister Michael Gove.