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Großbritannien:Die Figuren im Brexit-Drama

Von Zocker David Cameron über Seitenwechslerin Theresa May hin zum gefürchteten Michel Barnier: Wer für den Brexit verantwortlich ist - und wer bald am Verhandlungstisch sitzt.

Von Leila Al-Serori

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David Cameron - der Zocker

Britain's Prime Minister David Cameron speaks after Britain voted to leave the European Union, outside Number 10 Downing Street in London

Quelle: REUTERS

Er ist der große Verlierer des Brexit-Referendums, ein Spieler, der sich am Ende verzockte. Sechs Jahre war der konservative David Cameron Premierminister. Um EU-Kritikern in den eigenen Reihen den Wind aus den Segeln zu nehmen, setzte er das Referendum an - und irrte sich kolossal, indem er annahm, die Briten würden schon für den Verbleib in der EU stimmen. Es war ein Spiel mit dem Feuer, am Ende war Cameron selbst das Opfer. Er musste zurücktreten.

(Im Bild: Cameron spricht nach dem Referendum, im Hintergrund seine Frau Samantha)

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Theresa May - die Seitenwechslerin

Theresa May

Quelle: AFP

Ihm folgte Theresa May nach. Im Wahlkampf stand sie als Innenministerin noch an der Seite Camerons, als es darum ging den Brexit abzuwenden. Insgesamt aber gab sich die Konservative eher zurückhaltend - ein Lavieren, dass sich nach dem "Ja" zum EU-Austritt als Vorteil erwies. Nun kämpft May für die Gegenseite: Als Premierministerin muss sie den Brexit bewerkstelligen. Bisher blieb sie mit ihren Plänen eher vage.

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David Davis - der Brexit-Manager

Britain's Secretary of State for Leaving the EU David Davis speaks on the Marr Show in London

Quelle: REUTERS

Für ihn wurde ein eigener Posten geschaffen: Brexit-Minister. In dieser Funktion soll David Davis den Ausstieg Großbritanniens aus der EU managen. Der 1948 geborene Davis sitzt seit den Achtzigerjahren im Parlament. Kurz nach der Jahrtausendwende war er kurzzeitig Vorsitzender der Tories, danach innenpolitischer Sprecher der Partei. Er ist als EU-Kritiker bekannt.

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Tim Barrow - der Erfahrene

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Quelle: AFP

An der Seite Davis' verhandelt der langjährige britische Diplomat Tim Barrow (rechts). Er wurde im Januar britischer EU-Botschafter, nachdem sein Vorgänger Ivan Rogers zurückgetreten war mit der Begründung, in der Londoner Regierung sei ernsthafte Erfahrung bei multilateralen Verhandlungen "Mangelware". Nun repräsentiert der 53-jährige Barrow Großbritannien bei der Europäische Union. Er arbeitet seit 30 Jahren für das britische Außenministerium, war Botschafter in Russland und der Ukraine.

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Michel Barnier - der Gefürchtete

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Quelle: AFP

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches wird Michel Barnier sitzen. Der französische Wirtschaftsexperte soll im Auftrag der EU-Kommission die europäischen Interessen vertreten. Ihn unterstützen an die 30 Mitarbeiter. Barnier war früher EU-Kommissar für den Binnenmarkt und gilt als ausgesprochen gut vernetzt. Vielen Bankern der City of London dürfte er noch in unguter Erinnerung sein: Barnier war maßgeblich am Aufbau der europäischen Bankenunion als Reaktion auf die Finanzkrise beteiligt. In London soll er regelrecht gefürchtet sein.

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Nicola Sturgeon - die Kämpferin

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Quelle: AP

Auch die Premierministerin Schottlands spielt im Brexit-Verfahren eine wichtige Rolle. Sie sprach sich stets gegen einen EU-Austritt aus - genau wie die Mehrheit ihrer schottischen Landsleute. Nun strebt Sturgeon ein neues Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien an. Bereits nach dem Brexit-Votum im Juni fühlte sie in Brüssel vor und traf dort unter anderem den damaligen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz.

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Boris Johnson - der Unberechenbare

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Quelle: AFP

Er war das Gesicht des Brexit-Lagers und maßgeblich für dessen Sieg verantwortlich. Doch entgegen aller Erwartungen trat der ehemalige Bürgermeister von London nicht für die Nachfolge des Premierministers an. Kritiker warfen ihm vor, sich vor der Verantwortung zu drücken. Theresa May ernannte ihn schließlich zum britischen Außenminister. Boris Johnson gilt als beim Volk populär, er ist für seine flotten Sprüche bekannt.

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Nigel Farage - der Populist

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Quelle: Daniel Leal-Olivas/afp

Auch der langjährige Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage überraschte nach dem Votum: Anstatt seinen Triumph zu feiern, trat der Rechtspopulist als Ukip-Chef zurück. Er schien vom Ergebnis des Referendums am Ende selbst überrumpelt, dabei erkor er den EU-Ausstieg einst zu seinem Lebensziel. Seit fast zwei Jahrzehnten sitzt Farage im EU-Parlament, in Großbritannien selbst hatte er kein einziges Wahlamt inne. Zuletzt liebäugelte er mit US-Präsident Donald Trump und besuchte ihn in New York.

© SZ.de/bepe/sks
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