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Großbritannien:Cameron singt sich aus dem Amt

"Du-Duuuu-Du-Du", erklingt die Stimme des Premierministers. Ein Radiosender hat der Tonfolge bereits einen Titel verpasst.

Camerons Ansage ist kurz und knapp: "Ich bin sehr erfreut, dass Theresa May die nächste Premierministerin wird", sagt er vor der Downing Street 10 zu Journalisten. Angesicht der aktuellen Entwicklungen brauche es keine langwierige Übergangszeit. Er werde deswegen bereits früher abtreten. Schon am Mittwochabend könne es einen neuen Premierminister geben.

"Vielen Dank", sagt Cameron noch, bevor er lockeren Schrittes Richtung Haustür läuft. Was er offenbar nicht weiß: Sein Mikro ist noch an und plötzlich ist zu hören, wie der Noch-Premier vor sich hin singt: Du-Duuuu-Du-Du. Dann bricht er ab und sagt: "Right", das man mit "Ach ja" oder "Okay" übersetzen könnte. Ist es ein Code, das Sesam-öffne-dich für Downing Street 10? Denn nach der kurzen Einlage öffnet sich prompt die Tür vor Cameron.

Der Radiosender Classic FM hat Camerons Du-Duuuu-Du-Du-Right anaylsiert: "Die Harmonie ist ambivalent. Es ähnelt einer Fanfare in seinem selbstbewussten Sprung von G zu C", heißt es da. Doch die Tonfolge würde am Ende ihr Selbstbewusstsein verlieren. Das gesprochene "Right" sei Ausdruck zeitgenössischer Kompositionstechnik. Die Redaktion von Classic FM hat dem Gesang sogar schon einen Titel verpasst "Camerons Klage". Ein Werk, angelehnt an Wagner und Beethoven.

Für ungeschulte Ohren klingt Cameron einfach wie ein Mann, der froh ist, dass eine Bürde von ihm abfällt. Eigentlich hatte Cameron seinen Rücktritt für September angekündigt. Dass er jetzt schon früher abtreten kann, erleichtert ihn offenbar. Sein "Right" könnte darauf hindeuten, dass er sich an etwas erinnert hat, was er noch unbedingt erledigen will: Einen Aschenbecher aus dem Buckingham Palace klauen. Boris Johnson den Stinkefinger zeigen, wie dieser Herr. Oder einfach den lang ersehnten Urlaub buchen.