Großbritannien:Britischer Abgeordneter stirbt nach Messerattacke

Großbritannien: Der Abgeordnete David Amess (Archivbild).

Der Abgeordnete David Amess (Archivbild).

(Foto: RICHARD TOWNSHEND/AFP)

Bei einer Bürgersprechstunde sticht ein Angreifer mehrfach auf den konservativen Politiker David Amess ein. Dieser erliegt wenig später seinen Verletzungen.

Ein Abgeordneter der konservativen Regierungspartei in Großbritannien ist Berichten zufolge am Freitag Opfer einer Messerattacke geworden. Während einer Bürgersprechstunde stach ein Angreifer mehrfach auf David Amess in seinem Wahlkreis in der Grafschaft Essex ein, wie sein Büro bestätigte. Amess erlag wenig später seinen Verletzungen, wie mehrere britische Medien berichten.

Die Polizei in Essex teilte mit, ein 25 Jahre alter Mann sei nach Berichten über einen Messerangriff festgenommen worden. Am Tatort wurde zudem ein Messer sichergestellt. Nach weiteren Verdächtigen werde nicht gesucht. Der 69-jährige Amess saß seit 1983 als Abgeordneter im britischen Unterhaus.

Premierminister Boris Johnson brach einen Kabinettsausflug nach Bristol ab und kehrte in den Regierungssitz Downing Street zurück. Er zeigte sich tief betroffen von dem tödlichen Angriff auf Amess. Die Herzen aller seien erfüllt von "Schock und Traurigkeit" über den Tod seines 69-Jährigen Parteifreunds, so Johnson am Freitag zu Reportern. Amess sei einer der "liebenswertesten und freundlichsten Menschen in der Politik" gewesen, sagte der Premier. Zu den möglichen Hintergründen der Tat äußerte sich Johnson nicht. "Unsere Gedanken sind sehr mit seiner Familie, seiner Frau und seinen Kindern und für alles Weitere müssen wir die Polizei ihre Ermittlungen machen lassen", fuhr Johnson fort.

Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei schrieb auf Twitter: "Furchtbare und zutiefst schockierende Nachrichten. Denke an David und seine Familie und seine Mitarbeiter." Vize-Premierminister Dominic Raab würdigte den erstmal 1983 ins Unterhaus gewählten Amess als "Politiker mit gesundem Menschenverstand und einen Wahlkämpfer mit großem Herz und enormer Großzügigkeit - einschließlich für die, die nicht einer Meinung mit ihm waren." Unterhaussprecher Lindsay Hoyle zeigte sich "schockiert und zutiefst getroffen". Der Vorfall werde "Schockwellen durch die parlamentarische Gemeinschaft und das ganze Land senden", so Hoyle auf Twitter.

Der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, twitterte, er sei "schockiert" über die Tat und bete für Amess' Angehörige und Mitarbeiter. "Wenn wir unsere Demokratie bewahren wollen, müssen unsere gewählten Volksvertreter ohne Furcht vor Gewalt oder Einschüchterung leben und arbeiten können." Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz des Landes, Kardinal Vincent Nichols, via Twitter.

Der Fall erinnert an den Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox 2016. Cox wurde ebenfalls bei einer Bürgersprechstunde in ihrem Wahlkreis von einem Rechtsextremisten angegriffen und starb an ihren Verletzungen. Der Mord ereignete sich nur wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum.

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