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Griechisches Parlament stimmt Sparpaket zu:Wo die Erleichterung groß ist

Eine Utopie? Weil neue Macher und Manager, Richterinnen und Ratsfrauen nicht in Sicht sind? Was aber wäre die Alternative zu dieser griechischen Revolution? Die Pleite in einem Jahr oder später, wenn die Kassen wieder leer sind und Kredite nicht reichen?

Die jungen Griechen, die seit Wochen vor dem Parlament in Athen campieren, eint der Schock über den Zustand ihres Landes, den die eigenen Eltern nicht selten mitzuverantworten haben. Die Empörten strecken den Parlamentariern ihre Hände mit gespreizten Fingern entgegen, eine Geste, die sagt: Ihr seid Versager, bleibt uns vom Leib. In der Bewegung der wütenden Jugend stecken Revoluzzergeist und Ratlosigkeit - aber vor allem eine tiefe Sehnsucht nach Wandel.

Die Stunde der Populisten

Es ist eine Sehnsucht, wie geschaffen für Populisten. Die setzen sich in Griechenland schon in Szene, von Links bis Rechts. Reformkräfte sind nicht darunter, eher schon solche, die sich die Gewaltbereitschaft von ein paar Hundert Leuten zu Nutzen machen können. Die natürlichen Verbündeten der Unzufriedenen aber säßen eigentlich in Brüssel, oder auch in Paris und Berlin. Jedenfalls überall dort, wo zuletzt intensiver als bisher darüber nachgedacht wurde, was Griechenland wirklich helfen könnte. Beinharte Sparappelle und Untergangsszenarien reichen nämlich nicht.

Altkanzler Helmut Schmidt hat jüngst eine Art "Aufbau Griechenland" empfohlen, ein Programm, das Hellas mit internationaler Hilfe dabei unterstützen würde, seine Wirtschaft wieder flott zu machen und jungen Generationen eine Perspektive zu geben. Weil Schmidt dies den Griechen nicht selbst zutraut, hat er dafür einen treuhänderischen Administrator vorgeschlagen. Das sollte wohl kein Deutscher sein, denn die Regierung in Berlin hat in der Griechenland-Krise wenig Weitblick bewiesen und damit auch den Populisten Zunder gegeben.

Die Erleichterung über das Votum in Athen ist groß, in Brüssel, überall in Europa und selbst in Washington. Haben doch Banken in vielen europäischen Staaten und auch in den USA in der Vergangenheit kräftig in die hellenische Krise investiert. Sie haben Staatsanleihen aus Athen gekauft, weil diese hohe Renditen verhießen. Weil sie ahnten, dass diese Papiere bald nicht mehr viel wert sein würden, haben die Kreditgeber ihre Risiken versichert, und auch mit dieser Vorsorge ließ sich viel Geld verdienen. Dieses Kartenhaus wäre am Mittwoch zusammengekracht, wie die Träume in der Geschichte von Alexis Zorbas. Dem Kreter Zorbas blieb am Ende nur übrig, am Strand zu tanzen. Das half gegen den Schmerz. Für Europa würde dies nicht reichen.

Die Europäer tun auch aus einem anderen Grund gut daran, Griechenland nicht aus der Gemeinschaft zu stoßen. Denn letztlich kann kein Land der EU sicher sein, dass es irgendwann nicht auch die Solidarität der anderen in der Union brauchen wird. Wenn die EU den empörten Griechen wirklich helfen will, dann sollte sie den Politikern in Athen künftig - rechtzeitig und öffentlich - sagen: Geht nicht so mit eurem Land um.

© SZ vom 30.06.2011/olkl
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