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Griechischer Premier abgehört:Presse sieht USA hinter Spionage-Aktion

Über Monate hinweg wurden Handygespräche der griechischen Regierung belauscht. Mit verwickelt: Ein Ableger des Vodafone-Konzerns.

Fast die gesamte griechische Presse verdächtigt amerikanische Sicherheitsbehörden, hinter einem Handy-Abhörskandal zu stecken, zu dessen Opfern auch Ministerpräsident Kostas Karamanlis gehört.

Minister Giorgos Voulgarakis zeigt, wie Telefonate durch Spyware umgeleitet wurden

Minister Giorgos Voulgarakis zeigt, wie Telefonate durch Spyware umgeleitet wurden

(Foto: Foto: AP)

Alles deute auf die amerikanische Botschaft hin, schreibt die Zeitung Ta Nea. Das Blatt druckte eine Karte des Zentrums Athens ab. Aus dieser ergibt sich, dass die US-Botschaft in der Mitte eines Dreiecks befindet, innerhalb dessen die Abhörzentrale vermutet wird. Die Regierung wollte jedoch diese Vermutungen nicht bestätigen. "Bislang konnten wir die Verantwortlichen nicht finden", sagte Regierungssprecher Theodoros Roussopoulos.

Die griechische Justiz werde versuchen, den Fall zu klären, hieß es. Am Donnerstag hatte Roussopoulos von diesem Dreieck gesprochen und den Fall als "Thema von nationaler Bedeutung" bezeichnet. Zu den Opfern gehören neben dem Ministerpräsidenten auch Außenminister Petros Molyviatis sowie die gesamte Führung des Verteidigungsministerium.

Mysteriöser Selbstmord

Unklar blieb nach Ansicht der Presse ein anderer Aspekt des Abhörskandals. Das Mobiltelefonie-Unternehmen Vodafone-Panafon, dem die abgehörten Telefone gehörten, hätte nach Aufdeckung des Abhörskandals die Abhör-Software ausgeschaltet und erst danach die Regierung informiert. Dabei wurden nach Presseberichten "die Spuren der Lauscher" verwischt. "Wir werden nie erfahren, wer dahinter steckt", prophezeite die Athener Zeitung Eleftherotypia.

Zudem wird vermutet, dass ein Mitarbeiter von Vodafone-Panafon in die Affäre verstrickt war. Ein damals 39-jähriger Techniker der Firma hätte sich zum Zeitpunkt der Aufdeckung des Skandals im März 2005 das Leben genommen, berichtete die Presse. Warum er dies tat, müsste dringend untersucht werden, hieß es.

Der "Handy-Lauschangriff" hat nach offiziellen Angaben zwischen Juli 2004 und März 2005 stattgefunden. Danach sei das Problem beseitigt worden. Das Thema sei geheim gehalten worden, um die Untersuchungen nicht zu gefährden.

© dpa
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